TH1- und TH2-Dominanz – das Immunsystem im (Un-)Gleichgewicht
TH1- und TH2-Dominanz – das Immunsystem im (Un-)Gleichgewicht

TH1- und TH2-Dominanz – das Immunsystem im (Un-)Gleichgewicht

Kennen Sie das, dass Sie zig Bücher im Regal stehen haben, die Sie als sooo gut und wertvoll empfanden, dass Sie sich vorgenommen haben, diese irgendwann noch einmal zu lesen … dieses Irgendwann aber nie eintritt, weil da ja auch noch zig neue Bücher stehen die noch darauf warten gelesen zu werden? 😉

Den Beginn meines alternativen Gesundheitsweges prägte vor vielen Jahren das Buch “Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln: Wenn Sie sich trotz normaler Blutwerte schlecht fühlen.” von Dr. Datis Kharrazian.

Ich muss gestehen, ich verstand damals nicht wirklich alles was Dr. Kharrazian so ausführlich bezüglich Hashimoto beschrieb. Und auch konnte ich einiges daraus einfach nicht nutzen, weil ich keinen Arzt an meiner Seite hatte, der mich in dieser Hinsicht ernst nahm und bereit gewesen wäre, die darin erwähnten Tests durchzuführen. Daran erinnerte ich mich kürzlich und so kramte ich es tatsächlich vor einigen Tagen aus dem Regal heraus und las es noch einmal. Denn heute, viele Jahre später, habe ich nicht nur das medizinisch notwendige Wissen und Verständnis für die Zusammenhänge, ich habe auch eine Schilddrüsenärztin, die mich auf meinem Gesundheitsweg begleitet und offen ist für neue Wege. Bzw. ist es heute auch so, dass viele Labortests als Selbsttests erhältlich sind und man in diesem Fall keinen Arzt für die Veranlassung dieser benötigt.

Eines der Themen, das ich damals eher überflog als es gründlich zu lesen, war die Bedeutung der sogenannten TH1- und TH2-Dominanz. TH-Was? Genau, etwas worauf man bei einem Arztbesuch sicher nicht stößt, das allerdings sehr wohl spannend und interessant ist.

Wir wissen heute, dass Autoimmunerkrankungen etwas mit dem Immunsystem zu tun haben. Genauer gesagt, mit einem fehlgeleiteten Immunsystem bzw. einer fehlgeleiteten Immunabwehr. Im Fall von Hashimoto richten sich die körpereigenen Abwehrmechanismen fälschlicherweise gegen die Schilddrüse, also das eigene Gewebe. Das Immunsystem befindet sich also nicht mehr im Gleichgewicht.

Aber was heißt eigentlich Gleichgewicht wenn wir vom Immunsystem sprechen? Kann man dies messen? Und welche Faktoren können dazu führen, dass es mehr oder weniger im Gleichgewicht ist?

Außerdem ganz wichtig und aktuell: Habe ich ein schwaches Immunsystem wenn ich an Hashimoto leide? Bin ich dadurch anfälliger für Viren, wie beispielsweise Grippeviren oder gar Coronaviren?

Ich bin nie krank!

Wirklich nie. Schnupfen und Halsweh vielleicht 0-1 Mal im Jahr. Fieber nie. Fieberblasen noch nie in meinem Leben. Das gleiche gilt für die Grippe, hatte ich auch noch nie. Ich habe und hatte keine Allergien, bis auf eine leichte Nickelallergie im Jugendalter. Hört sich nach einem bombenstarken Immunsystem an, nicht wahr?

Aber wieso konnte ich dann die AutoIMMUNerkrankung Hashimoto entwickeln? Wissen wir doch, dass das Immunsystem bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen eine wesentliche Rolle spielt – und dass Hashimoto keine Erkrankung der Schilddrüse ist, sondern eine Störung des Immunsystems. (Quelle)

Werfen wir dafür nun einen genaueren Blick auf den Darm, welcher den Großteil unseres Immunsystems in sich trägt, nämlich etwa 80%.

Wie ich hier schon erläutert habe, kann es durch verschiedenste Faktoren dazu kommen, dass die Darmschleimhaut löchrig/durchlässig/undicht wird (Stichwort: Leaky Gut). Diese Faktoren können sein: chronische Entzündung durch schlechte Ernährungsgewohnheiten oder unverdaute Nahrungspartikel, Blutzuckerschwankungen und chronischer Stress (Quelle).

Die Darmbarriere ist also undicht und so können Stoffe, die im Darm bleiben bzw. wieder nach außen befördert werden sollten, durch den Darm in den Blutkreislauf gelangen. Diese Stoffe nennt man Antigene. Sobald sich diese nun im Blutkreislauf befinden, sorgt unser intelligenter Organismus für einen automatischen Vorgang, eine Immunreaktion, bei welchem Antikörper gebildet und diese Antigene unschädlich gemacht werden.

TH1 und TH2 – die Helferlein des Immunsystems


Quelle: https://naturheilzentrum-breidenbach.de/th1-th2-immunbalance/
© Jenny Kappmeier, www.Sebastino.de, Wuppertal

Einen wichtigen Teil des Immunsystems bilden die Lymphozyten. Eine Gruppe der Lymphozyten-Abwehrzellen sind die sogenannten T-Helferzellen. Von diesen gibt es unterschiedliche Arten. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die zwei bekanntesten: TH1 und TH2. Die Unterscheidung der beiden erfolgt aufgrund der unterschiedlichen Botenstoffe (Zytokine), die sie ausschütten, um weitere Abwehrzellen zu aktivieren. D.h. je nach dem was genau abgewehrt gehört, werden unterschiedliche Zytokine ausgeschüttet.

  1. TH1-Zellen sind spezialisiert auf die Bekämpfung von bakteriellen und viralen Infekten,
  2. während TH2-Zellen besonders aktiv sind wenn es um die Abwehr von allergischen Erkrankungen und parasitären Infektionen geht.

Im Idealfall befindet sich das Immunsystem in einem perfekten Gleichgewicht, da die TH1- und TH2-Zellen sich gegenseitig regulieren.

Nun kann es aber trotzdem zu einem Ungleichgewicht kommen. Die Gründe dafür können vielfältig sein, ganz genau weiß man bis heute nicht wie es dazu kommen kann. Genannt werden als mögliche Gründe ein Mangel an Glutathion, Vitamin- und Mineralstoffmängel, Proteinmangel, Candidabesiedelungen, Stress und Schwermetallbelastungen. (Quelle)

Was passiert bei einem Immunsystem, das sich nicht im Gleichgewicht befindet?

Es kommt zu einem Heraufregeln einer Seite des Immunsystems. Es entsteht ein Übermaß an beispielsweise den TH1-Zellen, und damit gleichzeitig ein Herunterregeln von TH2-Zellen, was schließlich zu einem Mangel an TH-Zellen führt. In diesem Fall nennt man dies dann eine TH1-Dominanz oder ein Überschießen der TH1-Immunreaktion.

Es gibt Zeiten im Leben einer Frau in denen solch eine Reaktion ganz natürlich ist. Während der Schwangerschaft kommt es zu einer TH2-Dominanz, als Schutz vor Abstoßungsreaktionen. Das Kind kommt dann mit einem TH1-Mangel auf die Welt und deswegen ist es wichtig, dass es in den ersten 2-3 Lebensjahren mehrere kleine Infekte hat, um eben die TH1-Produktion zu stimulieren und so das Immunsystem gut zu entwickeln. Nach der Schwangerschaft gerät die Frau dann in eine TH1-Dominanz, was auch der Grund dafür ist, dass die Schwangerschaft ein häufiger Auslöser von Autoimmunerkrankungen ist. (Quelle 1, Quelle 2)

TH1- und TH2-Dominanz – und die dazugehörigen Erkrankungen

Es gibt mittlerweile sehr viele klinische Studien und Literatur zu dieser Thematik. Das erste Mal davon gehört bzw. gelesen habe ich eben im Buch von Dr. Datis Kharrazian. Hier beschreibt er sehr gut die sogenannte TH1-Dominanz, die bei etwa 90% aller Hashimoto-Patienten zu finden ist.

Nicht nur bei Hashimoto Thyreoiditis ist dies der Fall, sondern häufig auch bei vielen anderen Autoimmunerkrankungen, Morbus Basedow, Multipler Sklerose, Diabetes mellitus Typ I, Morbus Crohn, Zöliakie, Kontaktdermatitis (Nickel), Sjögren-Syndrom, Darmparasiten, Depressionen, Psoriasis (Schuppenflechte) und Rheumatoider Arthiritis.

Bei einer TH2-Dominanz hingegen kommt es häufig zu Neurodermitis, Ekzemen, Allergien, allergischen Bindehautenzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Leaky Gut, Mykosen (Pilzerkrankungen), Asthma bronchiale, chronischen Scheidenentzündungen, Tumoren, Histaminüberschuss, Chronic Fatigue Syndrom, Lupus Erythematodes, HPV Humanen Papillomaviren, EBV Epstein Barr Virus, und vielem mehr.

Eine umfangreichere Liste aller möglichen Erkrankungen finden Sie hier.

Was nun?

Mit den Autoimmunerkrankungen Hashimoto Thyreoiditis bzw. Morbus Basedow ist man also höchstwahrscheinlich TH1-dominant. Was heißt das nun für mich bzw. muss ich das eigentlich so genau wissen? Die Erkrankung ist ja nun da, die Antikörper gebildet, und die dazugehörigen Symptome vorhanden.

Mit einer TH1-Dominanz habe ich also weniger grippale Infekte, weil mein überschießendes Immunsystem mir zwar die typischen Hashimoto-Symptome beschert, aber Viren und Bakterien gut in Schach hält. Das hört sich jetzt irgendwie positiv an, denn man ist ja praktisch nie krank (im Sinne von erkältet/verkühlt), ist es aber nicht … Denn wir wollen schließlich ein ausgeglichenes Immunsystem haben, welches sowohl Viren und Bakterien in Schach hält, als auch Allergien und Parasiten und vieles mehr.

Wie finde ich heraus ob ich TH1- oder TH2-dominant bin?

Das Obengeschriebene hört sich so einfach an. Einfach mal die Liste ansehen und wenn ich eine der genannten Diagnosen oder Symptome habe, gehöre ich automatisch zu dieser Kategorie.

So einfach ist es dann nun eben doch nicht. Erstens können nicht alle Autoimmunerkrankungen auf eine TH1- oder TH2-Dominanz zurückgeführt werden, und zweitens gibt es häufig das Phänomen, dass man sich in beiden Kategorien wiederfindet, weil man sich mal in einer TH1-Dominanz befindet und dann wiederum in eine TH2-Dominanz übergeht, oder man überhaupt gleichzeitig eine TH1- und TH2-Dominanz hat oder beide im Mangel sind. (Quelle 1, Quelle 2)

Als ich damals das Buch las hatte ich keinen Arzt an meiner Seite, der sich damit auskannte und mich auf diesem Weg begleiten könnte, also nahm ich einfach mal an, dass ich TH1-dominant sei und beließ es dabei, ohne mich viel darum zu kümmern.

Ob man TH1- oder TH2-dominant ist, lässt sich aber problemlos im Labor testen. Irgendwann ließ ich diese Werte doch ermitteln, ich bekam eine Überweisung dafür von meiner Schilddrüsenärztin. Dass es aber Werte sind, die sowieso privat zu zahlen sind und das Labor auch ohne Überweisung getestet hätte, fand ich erst nachher heraus. 😉

Im Labor kann man also die sogenannte phänotypische Differenzierung der T-Helferzellen inkl. TH1 / TH2 / TH17“ messen lassen. In meinem Fall sah das Ergebnis dann so aus:

TH1 also im Überschuss, TH2 hingegen im Mangel. Und das nachdem ich bereits einige Anstrengungen unternommen hatte, um hier ein Gleichgewicht zu schaffen. Ich will nicht wissen, wie die Werte früher waren, als ich noch viel mehr Symptome hatte und meine einzige Anstrengung darin bestand, die verordneten Schilddrüsenmedikamente einzunehmen.

Wie anfällig bin ich als Hashimoto-Patient für eine Ansteckung mit Corona-Viren?

Da es ein sehr aktuelles Thema ist und hier gut dazu passt, füge ich nun noch einige Details zu Corona (Covid-19, SARS-CoV-2) ein. Verständlicherweise fragt man sich in Zeiten wie diesen, ob man mit einer bestimmten Diagnose nun zur Corona-Risikogruppe gehört oder nicht, da bekannterweise bestimmte Vorerkrankungen zu einem schlimmeren Verlauf der Erkrankung führen können.

Wenn wir uns nun nochmals vor Augen führen, dass man mit einer TH1-Dominanz Viren und Bakterien besser (= zu stark) abwehrt und mit einer TH2-Dominanz Parasiten und Allergien besser (= zu stark) abwehrt, so kommt man zum Schluss, dass eine Ansteckung mit Corona-VIREN bei einer TH1-Dominanz zu einem milden Krankheitsverlauf führen sollte. D.h. man kann sich also sehr wohl anstecken, aber die Symptome sollten eher mild ausfallen. So die Erkenntnis von Autoimmun- und Schilddrüsenexperten wie Dr. Simone Koch (Quelle) und Dr. Berndt Rieger (Quelle).

Ich selbst hatte noch keine Berührungspunkte mit dem Virus, zumindest nicht wissentlich, daher kann ich hier keine Erfahrungswerte teilen.

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema …

Was kann ich tun, um meine überschießende Immunreaktion zu drosseln?

… um so mein Immunsystem ins Gleichgewicht zu bringen? Da gibt es tatsächlich einiges das man selbst tun kann.

Um eine TH1-Dominanz zu behandeln, wollen wir TH1 dämpfen/drosseln und TH2 stärken. Bei einer TH2-Dominanz das alles genau umgekehrt.

 

Quelle: https://drdechickerand.com/2019/th1-dominance/

 

Allen voran sind es Lebensmittel, Mikronährstoffe und Kräuter, die eine TH1/TH2-modulierende Wirkung haben können. (Quelle 1, Quelle 2)

Substanzen, die TH1 dämpfen und TH2 stimulieren:

  • Grüner Tee
  • Grapefruitsamenextrakt
  • Pinienrindenextrakt
  • Silberweidenextrakt
  • Lycopin
  • Resveratrol
  • Pycnogenol
  • Kurkuma
  • Olivenblattextrakt
  • Hanfsamen
  • Progesteron

Diese Substanzen können Erkrankungen aufgrund einer TH1-Dominanz verbessern, jene bei einer TH2-Dominanz allerdings verschlechtern.

Substanzen, die TH2 dämpfen und TH1 stimulieren:

  • Astragaluswurzel (Tragant)
  • Echinacea
  • Maitakepilz
  • Lakritze/Süßholzwurzel
  • Zitronenmelisse
  • Withania somnifera (Ashwagandha) (Quelle)

Diese Substanzen können Erkrankungen aufgrund einer TH2-Dominanz verbessern, jene bei einer TH1-Dominanz allerdings verschlechtern.

“One man’s medicine is another man’s poison.”

Wenn wir uns nun diese Listen ansehen fällt auf, dass viele dieser Substanzen als absolute Superfoods und Allheilmittel angepriesen werden. Wenn ich aber nun an Allergien leide (TH2-Dominanz) und tagtäglich grünen Tee genieße, tut das meinem Immunsystem alles andere als gut. Wenn ich hingegen an Hashimoto oder Morbus Basedow leide (TH1-Dominanz) und mein Immunsystem durch die Einnahme von gesunden Pilzen und Echinacea stärken möchte, tue ich auch hiermit meinem Immunsystem keinen Gefallen.

Dr. Kharrazian behandelt seine Patienten so, dass er bei einer TH1-Dominanz TH2-stimulierende Substanzen verschreibt, und umgekehrt. Die Basis ist aber immer die ganzheitliche Betrachtungsweise und Behandlung:

D.h. der Blutzuckerspiegel muss stabil sein, die Nebennieren gestärkt und eine mangelhafte Verdauungsleistung optimiert werden. Für ein optimales, ausgeglichenes Immunsystem braucht es außerdem ausreichend Vitamin D3, Omega 3 und Glutathion. Ein ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen und Vitaminen ist also immer von hoher Bedeutung.

 


 

WICHTIG: Die dargestellten Informationen sind ausschließlich für den Informationsgebrauch bestimmt. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und können einen ärztlichen Rat nicht ersetzen. Ferner sind die dargestellten Informationen nicht dazu geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Ebenso wenig dürfen sie als Aufforderung zu einer bestimmten Behandlung oder Nicht-Behandlung einer möglichen Krankheit verstanden werden.

Über die Autorin - Mag. Klaudia Schuh

Mein Name ist Klaudia Schuh. Ich habe selbst lange um meine Gesundheit gekämpft. Was ich in den letzten Jahren am eigenen Leibe erfahren durfte war, dass sowohl der Lebensraum der uns umgibt, als auch die Art der Nahrung die wir zu uns nehmen, einen immensen Einfluss auf die Qualität unseres Lebens und unser Wohlbefinden haben. Durch Veränderungen meines Lebensstils, vor allem durch verbesserte Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten, habe ich Schritt für Schritt mehr Lebensqualität zurückerlangt.

Und genau das möchte ich auch für meine Klientinnen und Klienten erreichen. Ich arbeite als ganzheitlicher Gesundheits- und Schlafcoach in eigener Praxis in Österreich, und praktiziere einen ganzheitlichen Gesundheitsansatz indem ich alle Teile des Seins betrachte und wie diese miteinander verbunden sind. So kombiniere ich mein gesamtes Wissen und meine Erfahrung aus den Bereichen Schlafwissenschaft, Ernährung, Schadstoffe und Entspannung und begleite meine Klientinnen und Klienten leidenschaftlich auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Energie. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Auf meinem Blog schreibe ich vor allem zu den Themen wohltuender und gesunder Schlaf und Schlafschwierigkeiten, Hormongleichgewicht und artgerechte Ernährung.

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