Hormone außer Balance – was hat die Leber damit zu tun? Teil 3 – Schlafhormone, Diabetes, Fettleber
Hormone außer Balance – was hat die Leber damit zu tun? Teil 3 – Schlafhormone, Diabetes, Fettleber

Hormone außer Balance – was hat die Leber damit zu tun? Teil 3 – Schlafhormone, Diabetes, Fettleber

Eine kranke Leber als Ursache für Schlafstörungen?

Menschen, die nicht einschlafen oder durchschlafen können, greifen häufig zum Handy und versuchen die Ursache für ihr Nicht-Schlafen-Können herauszufinden. Gründe für die Schlaflosigkeit kann es viele geben. Wenn man dann aber noch die Uhrzeit angibt zu der die Schlaflosigkeit auftritt, gelangt man schnell zur sogenannten Organuhr. Diese stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und ordnet den Organen bestimmte Tageszeiten zu, zu welchen diese stärker aktiv sind.

 

Quelle: https://www.carstens-stiftung.de/artikel/die-chinesische-organuhr.html

 

Wer beispielsweise regelmäßig zwischen 23 und 1 Uhr schlecht einschläft oder aufwacht, hat laut der TCM eventuell ein Gallenthema.

Wenn die Uhrzeit, zu der man regelmäßig aufwacht, allerdings zwischen 1 und 3 Uhr ist, gelangt man zum Organ Leber als Ursache der Schlafstörung – und auf dieses wichtige Organ möchte ich heute näher eingehen.

In Teil 1 und Teil 2 bin ich bereits auf den Zusammenhang der Leber mit den Geschlechtshormonen und den Schilddrüsenhormonen eingegangen. Heute geht es um den Zusammenhang bzw. die Wechselwirkungen von Leber und Schlaf bzw. Schlafhormonen, und was bei einem Ungleichgewicht daraus resultieren kann.

Die Leber entgiftet … 

Die Leber ist eines der wichtigsten Organe in unserem Körper. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Entgiftung, also das Unschädlichmachen und Abbauen von potenziell schädlichen Substanzen. Den Großteil dieser Arbeit verrichtet sie während der Nacht wenn wir schlafen.

Die Regenerationsfähigkeit der Leber ist nicht ohne Grund enorm, sie muss einfach immer und ständig gut funktionieren, um mit all den Schadstoffen, mit welchen wir tagtäglich konfrontiert sind, fertig zu werden und sie unschädlich zu machen. Und doch kann sie sehr schnell aus der Bahn geworfen werden, anfangs meist ohne dass wir etwas davon bemerken. Denn …

… die Leber leidet stumm

Die Leber besitzt keine Schmerzrezeptoren. Sie macht sich also nicht aktiv bemerkbar, daher bemerken wir häufig die ersten Symptome einer schwächelnden Leber nicht gleich.

Der größte „Schmerz“ der Leber ist die Müdigkeit tagsüber, und die Schlaflosigkeit während der Nacht.

Weitere Symptome, dass es der Leber nicht gut geht, können folgende sein (Quelle):

  • Juckende Haut
  • Druckgefühl im rechten Oberbauch (direkt unter dem rechten Rippenbogen)
  • Stimmungsschwankungen
  • Abgeschlagenheit
  • Verdauungsprobleme
  • Verstopfung oder Durchfall
  • Appetitverlust oder Gewichtsabnahme

Umwandlung und Deaktivierung von Hormonen

Wie wir wissen, ist eine der vielen Aufgaben der Leber die Umwandlung und Deaktivierung von Hormonen. Das Ziel ist immer ein Hormongleichgewicht. Bei Geschlechtshormonen sorgt die Leber dafür, dass ein Großteil des Östrogens nach dem Eisprung bei der Frau aus dem Körper entfernt wird oder dass bei den Schilddrüsenhormonen das inaktive Hormon T4 in das aktive T3 umgewandelt wird.

Nun ist es so, dass die Leber auch beim Schlaf bzw. bei den Schlafhormonen eine gewaltige Rolle spielt.

Leber + Cortisol + Melatonin

Cortisol ist ein Stresshormon, welches ab ca. 3 Uhr morgens verstärkt von unserem Körper ausgeschüttet wird, uns wach macht und Energie gibt für den Tag. Man könnte es also auch als unser „Wachhormon“ bezeichnen.

Melatonin ist hierzu der Gegenspieler. Sobald es draußen dunkel wird, schüttet unser Körper dieses wichtige Hormon aus, um uns auf die Nacht vorzubereiten. Es hilft uns, runterzukommen und zu entspannen, um dann letztendlich tief und fest zu schlafen. Wenn Melatonin hoch ist, ist das Cortisol niedrig – und umgekehrt.

Diese zwei Hormone können die Leber nun folgendermaßen beeinflussen:

Wenn man unter Stress steht, wenn die Nebennieren auf Hochtouren arbeiten, kann es zu einer erhöhten Cortisolausschüttung kommen. Die Leber muss damit fertig werden und dieses Extra an Stresshormonen deaktivieren und abbauen. Wenn dieser Stress langanhaltend ist, bedeutet dies eine zusätzliche Belastung für die Leber.

Es dauert länger bis das Cortisol abgebaut ist, daher ist abends noch zu viel davon im Körper. Das Melatonin ist daher für den Schlaf noch zu niedrig. Man ist noch viel zu munter und aufgedreht um überhaupt ans Schlafen zu denken. Es kommt zu Einschlafproblemen oder einem qualitativ schlechten Schlaf.

Aber auch das Melatonin, das der Körper dann doch noch ausschütten kann sobald der Cortisolspiegel einigermaßen gesunken ist, möchte abgebaut werden. Hier das gleiche Problem. Es ist ein anstrengender Prozess und die Leber benötigt länger, um das Melatonin abzubauen. Es kommt zu einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit.

Weiters hat man herausgefunden, dass die Ausschüttung von Melatonin zur richtigen Zeit (also zur Nachtzeit während man schläft) die Leberenzyme senkt, und damit leberstärkend wirkt. D.h. wenn man gut und tief schläft, arbeitet die Leber einfach besser. (Quelle)

Auch hat man herausgefunden, dass Melatonin eine wichtige Rolle als Antioxidant im Organismus spielt, unter anderem in der ersten Phase der Entgiftung durch die Leber. Also auch hier, je besser man schläft, desto besser arbeitet die Leber. (Quelle)

Leber + Glykogen + Glukose + Insulin

Wenn wir mehr Kohlenhydrate zu uns nehmen, als wir in dem Moment verwerten können, speichert unser Körper diese in Form von Glykogen in den Muskeln und der Leber. Bei Bedarf wird dieses Glykogen in Glukose (Zucker) umgewandelt und vom Körper als Energie verwendet.

Bei Stress oder einer schlechten Ernährung kann es dazu kommen, dass dieser Prozess nicht mehr optimal abläuft. Unter chronischem Stress wird vermehrt Glykogen in Glukose umgewandelt, denn schließlich benötigt der Körper schnell verfügbare Energie um mit diesem Stress umgehen zu können. (Quelle)

Ein Zuviel an Zucker (also einem erhöhten Blutzuckerspiegel) ruft das Insulin auf den Plan. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet, um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. Wenn der Insulinspiegel nun ständig erhöht ist, bildet sich mit der Zeit eine sogenannte Insulinresistenz. Die Körperzellen wie beispielsweise Muskel-, Leber- und Fettzellen reagieren immer weniger empfindlich auf das Insulin und verbrauchen daher weniger Glukose. Es kommt zu einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel, und in Folge zu Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2.

Wenn der Insulinspiegel dauerhaft erhöht ist, kommt es zu einem weiteren Phänomen – nämlich zu einer erhöhten Umwandlung von Glukose in Fett. Zu viel Glukose und zu viel Insulin über einen zu langen Zeitraum führen schließlich zu einer Fettleber. (Quelle)

Beim Cortisol und Melatonin war der Zusammenhang mit der Leber ja noch einigermaßen klar – aber was haben nun der Blutzucker und Insulin mit Schlafproblemen zu tun?

Nun, man hat herausgefunden, dass eine einzige schlaflose Nacht ausreicht, um die Fähigkeit der Leber, Insulin und Glukose im Gleichgewicht zu halten, einzuschränken – und damit das Entstehen von Diabetes zu fördern. (Quelle)

Leber + Cortisol + Glykogen + Glukose

Jetzt bringen wir all diese Hormone und Neurotransmitter zusammen, um einen möglichen Grund für das Wachwerden in den frühen Morgenstunden aufzuzeigen:

Cortisol spielt eine ganz wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Blutzuckerspiegels, und zwar rund um die Uhr, denn auch in der Nacht benötigt unser Gehirn Energie. Wenn der Blutzuckerspiegel sinkt, sorgt das Cortisol dafür, dass die Glykogenreserven in der Leber in Glukose umgewandelt werden und den Zellen zur Verfügung stehen. (Quelle)

In der Nacht essen wir für gewöhnlich nicht, der Blutzuckerspiegel ist daher um die frühen Morgenstunden schon sehr niedrig. Wenn unser Cortisolspiegel aufgrund einer Nebennierenschwäche allerdings ebenfalls zu niedrig ist und so gegen 3 Uhr morgens nicht wie sonst üblich in die Gänge kommt, reicht dieser nicht aus, um den Blutzucker aufrechtzuerhalten. Es kommt zu einer Art innerem Alarm, der Körper schüttet verstärkt Stresshormone aus, um den Blutzuckerspiegel wieder anzuheben. Mit dem Nebeneffekt, dass man aufwacht und häufig nicht mehr einschlafen kann.

Leber + Stress + Wut

Wie wir gesehen haben, spielt Stress eine große Rolle für die Lebergesundheit. Der Leber wird laut TCM die Emotion Wut zugeschrieben – auch Ärger, Zorn, Unzufriedenheit und Selbsthass.

Stress, Druck und negative Emotionen wirken wie Gift auf die Leber. Wobei sowohl deren ständige Unterdrückung als auch das übertriebene Ausleben dieser Emotionen zu einem Ungleichgewicht der Leber führen können.

Was ist die Ursache, wenn einem „eine Laus über die Leber läuft“, wenn man ständig als die „beleidigte Leberwurst“ gesehen wird? Wenn Sie regelmäßig vor lauter Ärger und Wut aus der Haut fahren könnten, macht es durchaus Sinn, einen genaueren Blick auf Ihr emotionales Leben zu werfen. Ob Sie diese Emotionen ausleben oder unterdrücken, hat auf die Leber leider ähnliche Auswirkungen.

„Der schnellste Weg zur Gesundheit ist die Entgiftung“

 
Paracelsus

Wie kann man die Leber unterstützen und stärken?

1) Ernährung optimieren:

Die Leber arbeitet nicht alleine, sondern im Zusammenspiel mit den weiteren Verdauungsorganen. Was stärkt alle Verdauungsorgane bzw. was schwächt diese? Genau, die Ernährung!

Um die Leber zu stärken, ist es wichtig, die Ernährung zu optimieren und leberfreundlich bzw. verdauungsfreundlich zu gestalten. Hier sind die wichtigsten Eckpunkte einer solchen Ernährung:

  • Viele Bitterstoffe, z.B. Endiviensalat, Grapefruit, Kohlsprossen, Löwenzahn, Radicchio, Rucola, Chicorée, Salbei
  • Viel Kohlgemüse, z.B. Broccoli, Karfiol, Grünkohl
  • Viel schwefelhaltiges Gemüse, z.B. Zwiebel, Knoblauch, Bärlauch
  • Lebertee oder Nahrungsergänzungsmittel mit Mariendistel, Artischocke, Löwenzahn
  • Mehr hochwertige Proteine, z.B. Bio-Fisch, Bio-Fleisch
  • Einfache Kohlenhydrate reduzieren, z.B. Zucker, Getreide, Brot, Nudeln
  • Fertigprodukte mit vielen Zusatzstoffen meiden
  • Alkohol meiden
  • Schadstoffe meiden, z.B. Medikamente, Umweltgifte, Schwermetalle, Mikroplastik

2) Gutes Stressmanagement betreiben:

  • Stressoren identifizieren und meiden oder einen gesunden Umgang damit erlernen
  • Entspannungstechniken erlernen und praktizieren
  • Emotionen auf gesunde Weise ausleben
  • Gesunde Bewegung in den Alltag integrieren, nicht abends und nicht exzessiv

3) Leberkur durchführen:

Bei der Leberkur (Fastenkur, Detox) geht es darum, den Körper von innen zu reinigen. Diese Kuren beinhalten immer auch eine Darmreinigung, da alle Verdauungsorgane zusammenspielen und man nie ein Organ für sich alleine betrachten kann.

Wichtig: Eine Leberkur alleine bringt nicht viel, wenn man nicht auch die Ernährung grundlegend und langfristig optimiert, und die Stress- und Schlafgewohnheiten ebenso.

4) Regelmäßig Leberwickel anwenden:

Leberwickel können dafür sorgen, dass die Leber intensiver arbeiten kann, dass sie also besser entgiften kann. Die Leber mag es feucht und warm, und zwar sehr warm, sie hat nämlich eine höhere Temperatur als andere Organe, um die 40°C.

Am besten nehmen Sie sich abends vor dem Schlafengehen etwas Zeit und gönnen sich einen Leberwickel:

  • Machen Sie ein Handtuch nass, es sollte sehr warmes, fast heißes Wasser sein.
  • Wringen Sie es aus, falten es und legen es über die Leber (rechte Körperseite unter der untersten Rippe).
  • Darüber legen Sie eine mit heißem Wasser gefüllte Wärmeflasche.
  • Damit das Ganze hält und warm bleibt, wickeln Sie sich nun mit einem großen Handtuch ein und legen sich für etwa 45 Minuten hin oder entspannen sich, z.B. vor dem Fernseher oder im Bett.
  • Die 45 Minuten sind eine ungefähre Zeit, spätestens wenn der Wickel kalt wird, entfernen Sie ihn.

5) Gesunde Schlafgewohnheiten aneignen und praktizieren:

  • Das Schlafzimmer schlaffreundlich gestalten, d.h. komplett abdunkeln, keine elektrischen/elektronischen Geräte, optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit, keine Geräusche
  • Abends keine digitalen Medien konsumieren, d.h. kein Fernsehen, Handy & Co. Alternativ eine Blaulichtfilterbrille tragen
  • Eine schlaffreundliche und entspannende Abendroutine genießen
  • Entspannungstechniken erlernen und praktizieren
  • Die persönliche ideale Schlafenszeit herausfinden und respektieren, d.h. nicht die natürliche Müdigkeit ignorieren, sondern dieser nachgeben und schlafen gehen, auch wenn es vielleicht „erst“ 21 Uhr ist

Hier finden Sie eine Videoserie mit den Grundlagen eines guten Schlafs, am besten beginnen Sie mit diesen. 

Das Wichtigste in einem Satz

Die Leber braucht Schlaf, um gut arbeiten zu können – und für den Schlaf brauchen wir eine gesunde Leber! 

Wie immer wenn man den Körper ganzheitlich betrachtet, ist es tatsächlich auch hier so, dass der Körper immer bestrebt ist, ein Gleichgewicht herzustellen. Die Grundvoraussetzung ist ausreichender und gesunder Schlaf. Die Schlafqualität verbessert sich aber durch eine gesunde Ernährung und eine Stärkung der Leber automatisch.

 

Zum Zusammenhang zwischen Leber und Hormonen habe ich übrigens folgende weitere Artikel geschrieben, zu finden auf meinem Blog:

 


 

WICHTIG: Die dargestellten Informationen sind ausschließlich für den Informationsgebrauch bestimmt. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und können einen ärztlichen Rat nicht ersetzen. Ferner sind die dargestellten Informationen nicht dazu geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Ebenso wenig dürfen sie als Aufforderung zu einer bestimmten Behandlung oder Nicht-Behandlung einer möglichen Krankheit verstanden werden.

Über die Autorin - Mag. Klaudia Schuh

Mein Name ist Klaudia Schuh. Ich habe selbst lange um meine Gesundheit gekämpft. Was ich in den letzten Jahren am eigenen Leibe erfahren durfte war, dass sowohl der Lebensraum der uns umgibt, als auch die Art der Nahrung die wir zu uns nehmen, einen immensen Einfluss auf die Qualität unseres Lebens und unser Wohlbefinden haben. Durch Veränderungen meines Lebensstils, vor allem durch verbesserte Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten, habe ich Schritt für Schritt mehr Lebensqualität zurückerlangt.

Und genau das möchte ich auch für meine Klientinnen und Klienten erreichen. Ich arbeite als ganzheitlicher Gesundheits- und Schlafcoach in eigener Praxis in Österreich, und praktiziere einen ganzheitlichen Gesundheitsansatz indem ich alle Teile des Seins betrachte und wie diese miteinander verbunden sind. So kombiniere ich mein gesamtes Wissen und meine Erfahrung aus den Bereichen Schlafwissenschaft, Ernährung, Schadstoffe und Entspannung und begleite meine Klientinnen und Klienten leidenschaftlich auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Energie. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Auf meinem Blog schreibe ich vor allem zu den Themen wohltuender und gesunder Schlaf und Schlafschwierigkeiten, Hormongleichgewicht und artgerechte Ernährung.

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