Hormone außer Balance – was hat die Leber damit zu tun? Teil 2 – Schilddrüsenhormone
Hormone außer Balance – was hat die Leber damit zu tun? Teil 2 – Schilddrüsenhormone

Hormone außer Balance – was hat die Leber damit zu tun? Teil 2 – Schilddrüsenhormone

Schilddrüse und Leber – und ihre Zusammenarbeit

 

Schilddrüsenerkrankungen betreffen heutzutage leider ganz viele Menschen. Die Behandlung dieser ist in Arztpraxen Routine, man bekommt Schilddrüsenmedikamente, die man täglich einnehmen soll. Im Falle von Hashimoto-Thyreoditis oder einer Schilddrüsenunterfunktion, um das fehlende Schilddrüsenhormon zu ersetzen, und im Falle von Morbus Basedow oder einer Schilddrüsenüberfunktion, um die Hormonproduktion zu drosseln.

Selten wird nach einer Ursache für die Schilddrüsenfehlfunktion geforscht, es wird meist nur symptomatisch behandelt. Mögliche Ursachen gibt es viele – aber wussten Sie, dass auch die Leber eine wichtige Rolle bei der Schilddrüsengesundheit spielt und sie sehr stark mitbestimmt, wie gut oder wie schlecht die Schilddrüse arbeitet?

 

Die Leber und ihre Aufgaben

 

Wie schon in meinem letzten Blogartikel beschrieben, hat die Leber eine Vielzahl an Aufgaben zu erledigen. Dazu gehören unter anderem die Folgenden: Produktion von Gallenflüssigkeit, Verarbeitung der Fette, auch die Herstellung von Cholesterin und dessen Abbau, damit verbunden auch die Hormonsynthese und das Entfernen von überschüssigen Hormonen, Verarbeitung der Eiweiße, Speicherung von Glukose und Blutzuckerregulierung, Speicherung von Vitaminen und Spurenelementen, und vor allem die Entgiftung von schädlichen Substanzen und dergleichen.

Heute greife ich eine weitere der wichtigen Aufgaben der Leber heraus und gehe etwas näher auf die Hormonsynthese der Schilddrüsenhormone ein. Die Leber ist irrsinnig wichtig für die Schilddrüsenfunktion. Wie wir noch sehen werden, ist aber auch die Schilddrüse sehr wichtig für die Leberfunktion.

 

Die Umwandlung vom inaktiven ins aktive Schilddrüsenhormon …

 

Wir wissen, dass in der Schilddrüse etwa 80% des inaktiven T4 Schilddrüsenhormons hergestellt werden, und etwa 20% des aktiven T3 Schilddrüsenhormons. (Quelle)  Das Verhältnis von T4 zu T3 in der Schilddrüse sind 94% T4 und nur 6% T3. (Quelle)

6% T3 sind nicht viel, ist es doch das Schilddrüsenhormon das aktiv ist und vom Körper auch tatsächlich genutzt werden kann. Es müssen also die 94% des inaktiven T4 ins aktive T3 umgewandelt werden. Und das passiert großteils in der Leber, der Rest in den Zellen von Herz, Muskeln, Darm und Nerven.

Letzendlich werden nur etwa 60% des T4 in brauchbares T3 umgewandelt. Etwa 20% werden zu reversem T3 (rT3) – was wiederum eine inaktive Form ist, die der Körper nicht nutzen kann. Und wiederum 20% können mithilfe bei einer intakten Darmflora im Verdauungstrakt umgewandelt werden. (Quelle)

 

… geschieht hauptsächlich in der Leber

 

In der Leber wird also der Großteil an Schilddrüsenhormonen in die aktive Form umgewandelt. Je gesünder und fitter die Leber ist, desto besser funktioniert dieser Prozess. Und so bestätigen auch klinische Studien, dass die Schilddrüsenfunktion bei Lebererkrankungen wie der Leberzirrhose oder Hepatitis massiv gestört ist, die T3 Werte sehr niedrig und die rT3 sehr hoch sind. (Quelle)

Schilddrüsenexperten betonen aber, dass man keine schwere Lebererkrankung haben muss, um eine schlechtere Umwandlung von T4 in T3 in der Leber zu haben. Die Leber ist heute geforderter denn je. Die allgegenwärtigen Schadstoffe die wir einatmen und über die Nahrung und die Haut zu uns nehmen muss die Leber unschädlich machen und aus dem Körper befördern.

 

Auswirkungen einer Schilddrüsenunterfunktion auf die Leber und den Verdauungstrakt

 

Umgekehrt ist es aber so, dass eine Schilddrüsenfunktion auch Auswirkungen auf die Leber hat. Bei den Aufgaben der Leber fallen nämlich reichlich Abfallprodukte an, welche über die von der Leber hergestellte Gallenflüssigkeit ausgeschieden werden. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion funktioniert der gesamte Stoffwechsel langsamer und träger und es kann zu einem Stau kommen, und in der Folge auch zur Bildung von Gallensteinen in der Gallenblase.

Die träge Schilddrüsenunterfunktion verlangsamt überhaupt den gesamten Verdauungsvorgang, denn das aktive Schilddrüsenhormon T3 stimuliert im Magen die Bildung von Magensäure und ist an der Regulierung der Schleimhautdurchlässigkeit beteiligt. Im Darm stimuliert es die Bildung der glatten Muskulatur der Darmwand, regt die Darmperistaltik an und ist auch hier an der Regulierung der Schleimhautdurchlässigkeit beteiligt. Dies könnte mit ein Grund sein für das bei Schilddrüsenerkrankungen häufige Leaky Gut Syndrom. (Quelle)

Weiters sorgt T3 in den Nieren für eine optimale Filtrationsrate, es reguliert die Aufnahme bzw. Ausscheidung von Natrium und Kalium. Und in der Leber sorgt es für einen effiziente Entgiftung von schädlichen Substanzen und der optimalen Verarbeitung von Cholesterin und dessen Abbau, was sich bei einer Schilddrüsenunterfunktion daher häufig in Form von erhöhten Cholesterinspiegeln zeigt. (Quelle 1, Quelle 2)

Bei einer gestörten Umwandlung vom inaktiven ins aktive Schilddrüsenhormon ist dieser gesamte Prozess verlangsamt und weniger effizient. Was auch dazu führen kann, dass die Leber die überschüssigen Geschlechtshormone wie Östrogen nicht effizient abbauen kann, was uns wieder zu Teil 1 dieser Blogreihe bringt.

 

Eine Schilddrüsenunterfunktion schwächt also die Leber, und eine schwache Leber verstärkt die Schilddrüsenunterfunktion – ein Teufelskreis aus dem es auszubrechen gilt 

 

Wie stärke ich nun also die Leber, damit deren Zusammenarbeit mit der Schilddrüse bestens funktioniert?

Izabella Wentz beschreibt hierfür 4 Schritte, die es umzusetzen gilt:

1. Hochallergene und eventuell problematische Lebensmittel meiden:

    • Gluten, Milchprodukte, Zucker, Soja, Koffein und Alkohol
    • Zu diesem Thema habe ich bereits einige Artikel geschrieben: hier, hier und hier.
    • Der Zusammenhang zwischen der Leber und Alkohol ist bekannt. Regelmäßig genossener Alkohol kann zu einem Ungleichgewicht des Blutzuckerspiegels führen, zu einer Überforderung der Leber, zu einem Leaky Gut und sogar zu einer Dünndarmfehlbesiedlung.

2. Leberstärkende Lebensmittel hinzufügen:

    • Heißes Zitronenwasser und ganz viel Grünzeug
    • Die Leber liebt Gemüse, besonders Bitteres!

3. Schadstoffe reduzieren:

    • Schadstoffe finden wir heutzutage überall und in allem. Inhaltsstoffe in Kosmetika, Hygieneprodukten und Haushaltsreinigern, Medikamente, Zusatzstoffe und diverse Pestizid- oder Antibiotika-Rückstände in Nahrungsmitteln, Abgase, Ausdünstungen von Farben, Teppichen oder neuen Möbeln, Elektrosmog durch Computer, Mobiltelefone, Handymasten & Co., Lichtsmog durch künstliche Beleuchtung, Giftstoffe durch in Plastikbehältern enthaltenen Weichmachern, Schwermetalle in Zahnfüllungen, usw.
    • Wir müssen und können gar nicht alles auf einmal schadstofffrei machen, aber wir können mit kleinen Schritten beginnen. Von Plastikflaschen und -behältern auf Glas umstellen, Bio-Lebensmittel kaufen, Naturkosmetika verwenden, natürliche Haushaltsreiniger verwenden, usw.

4. Den Entgiftungsprozess unterstützen:

    • Durch Sport, Saunabaden, heiße Bäder oder Bikram Yoga kommen wir ordentlich ins Schwitzen, was die Leber entlasten kann, da hier Schadstoffe über einen anderen Entgiftungsweg ausgeschieden werden, und zwar über die Haut.
    • Es gibt auch eine Vielzahl an Nährstoffen, die die Leber für ihre Arbeit benötigt: B-Vitamine, Glutathion, Flavonoide, Magnesium, Vitamin C, die Aminosäuren Methionin, Cystein, Glycin, Glutamin und Taurin (wobei Taurin strenggenommen keine Aminosäure ist), NAC (N-Acetylcystein), MSM (Methylsulfonylmethan), und vieles mehr. Ein versierter Therapeut ist hierbei unerlässlich, da dieser sowohl eventuell bestehende Mängel feststellen als auch die entsprechenden Präparate empfehlen kann.

 

Dr. Datis Kharrazian listet auch Faktoren auf, die die Umwandlung von T4 in T3 erheblich stören können:

  • Stress
  • Entzündungen
  • und auch wieder Nährstoffmängel

Dem Stress und den Entzündungen widme ich meinen nächsten Blogartikel, daher gehe ich an dieser Stelle nicht weiter auf diese ein.

Sie sehen, wenn Sie möchten, dass Ihre Schilddrüse gut funktioniert, sollten Sie auch an Ihre Leber denken und ganz liebevoll mit ihr umgehen. 🙂

 


 

WICHTIG: Die dargestellten Informationen sind ausschließlich für den Informationsgebrauch bestimmt. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und können einen ärztlichen Rat nicht ersetzen. Ferner sind die dargestellten Informationen nicht dazu geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Ebenso wenig dürfen sie als Aufforderung zu einer bestimmten Behandlung oder Nicht-Behandlung einer möglichen Krankheit verstanden werden.

Kostenloses eBook "5 Tipps für einen besseren & tieferen Schlaf"

Über die Autorin - Mag. Klaudia Schuh

Mein Name ist Klaudia Schuh. Ich habe selbst lange um meine Gesundheit gekämpft. Was ich in den letzten Jahren am eigenen Leibe erfahren durfte war, dass sowohl der Lebensraum der uns umgibt, als auch die Art der Nahrung die wir zu uns nehmen, einen immensen Einfluss auf die Qualität unseres Lebens und unser Wohlbefinden haben. Durch Veränderungen meines Lebensstils, vor allem durch verbesserte Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten, habe ich Schritt für Schritt mehr Lebensqualität zurückerlangt.

Und genau das möchte ich auch für meine Klientinnen und Klienten erreichen. Ich arbeite als ganzheitlicher Gesundheits- und Schlafcoach in eigener Praxis in Österreich, und praktiziere einen ganzheitlichen Gesundheitsansatz indem ich alle Teile des Seins betrachte und wie diese miteinander verbunden sind. So kombiniere ich mein gesamtes Wissen und meine Erfahrung aus den Bereichen Schlafwissenschaft, Ernährung, Schadstoffe und Entspannung und begleite meine Klientinnen und Klienten leidenschaftlich auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Energie. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Auf meinem Blog schreibe ich vor allem zu den Themen wohltuender und gesunder Schlaf und Schlafschwierigkeiten, Hormongleichgewicht und artgerechte Ernährung.

Teilen Sie diesen Beitrag in Ihrem Netzwerk