Gibt es DIE ideale Ernährung bei Hashimoto?
Gibt es DIE ideale Ernährung bei Hashimoto?

Gibt es DIE ideale Ernährung bei Hashimoto?

Hashimoto Thyreoiditis gilt als eine nicht heilbare und kaum behandelbare Autoimmunerkrankung. Neben Hashimoto gibt es noch 100 weitere Autoimmunerkrankungen (Quelle), wobei Hashimoto die weltweit am häufigsten auftretende davon ist. Durch welchen Auslöser auch immer hat der Körper begonnen, das körpereigene Gewebe als Fremdkörper anzusehen und Antikörper gegen dieses zu bilden. Bei Hashimoto gilt dieser Angriff den Schilddrüsenzellen, diese werden als Fremdkörper erkannt und zerstört. Dadurch kommt es zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse, und mit der Zeit zu deutlichen Funktionseinschränkungen dieses für den Menschen so wichtigen Organs.

Die Einnahme von Medikamenten in Form des Schilddrüsenhormons T4 gilt als die einzig mögliche und sinnvolle Behandlungsmethode. Auch für mich war dies das einzige, das ich bis vor wenigen Jahren tat, ich nahm meine Schilddrüsenmedikamente ein. Und das auch erst 10 Jahre nach meiner Erstdiagnose, davor wurden mir keine verschrieben.

Fühlte ich mich durch die Medikamenteneinnahme besser als in den Jahren davor? Nahm ich plötzlich an Gewicht ab und hatte mehr Energie? Jein. Mir ging es sehr wohl etwas besser, war weniger müde. Aber so richtig vor Energie strotzend war ich nicht, und abnehmen konnte ich auch nicht.

Erst die weiteren Änderungen in meinem Leben brachten für mich positive Verbesserungen. Die Ernährung, der Schlaf, das Stressmanagement. Das waren die für mich wichtigsten Bereiche, mit denen ich mich nach vielen Jahren endlich wieder besser fühlte. Allerdings war die Ernährung – wie für viele Hashimoto-Patienten – auch für mich ein riesengroßes Fragezeichen.

Ich habe in meinem letzten Beitrag über die Anfänge meiner Ernährungsumstellung berichtet. Aber ist diese Ernährung die genau Richtige für jeden an Hashimoto erkrankten Menschen? Gibt es DIE perfekte Ernährung bei Hashimoto überhaupt?

Fakt ist, dass – entgegen der allgemeinen Meinung der Schulmedizin – die Ernährung sehr wohl eine sehr wichtige Schlüsselrolle in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen spielt. Das Schwierige dabei ist, dass es nicht die eine Ernährungsweise gibt, die für jeden passt und Besserung bringt. Es gibt aber sehr wohl bestimmte Lebensmittel, die gemieden werden sollten, bzw. andere, die vermehrt gegessen werden sollten. Welche sind dies – und aus welchen Gründen? Ich möchte mit dem heutigen Artikel gerne aufzeigen, welche dies sind, aus welchen Gründen sie gemieden bzw. gegessen werden sollten, und auch wie ich die für mich perfekte Ernährung gefunden habe.

 

Was hat der Darm mit der Schilddrüse zu tun?

 

Wie schon erwähnt, handelt es sich es sich bei Hashimoto um eine Autoimmunerkrankung. Da steckt das Wort „immun“ drinnen, es muss also mit unserem Immunsystem zu tun haben. Die Ursache für Hashimoto ist ein fehlgeleitetes Immunsystem.

70 – 80 % unserer Immunzellen sind in unserem Darm beheimatet. Hier befinden sich 100 Billionen Mikroorganismen, die die Darmflora bilden. Diese Mikroorganismen kann man grob in gute und in schlechte Bakterien unterteilen. Ist der Darm gesund, befinden sich die guten und die schlechten Bakterien in einem ausgewogenen Verhältnis.

Die „guten“ werden übrigens Probiotika (übersetzt „pro bios“ – für das Leben) genannt, und sind fast jedem ein Begriff, der schon einmal seine Antibiotika (übersetzt „anti bios“ – gegen das Leben) aus der Apotheke holen musste und dazu ein Probiotikum angeboten bekam.

Einfach ausgedrückt ist der Darm dafür zuständig, die von uns eingenommene und durch Speichel und Magen vorverdaute Nahrung weiterzuverarbeiten, die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe (Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate) sowie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente in seine kleinsten Moleküle aufzuspalten, und über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf zu leiten. Krankheitserreger und Schadstoffe werden hingegen im Verdauungstrakt vernichtet und ausgeschieden, ohne dass diese in den Blutkreislauf gelangen können.

In einem gesunden Darm funktioniert dies reibungslos und das Immunsystem ist ebenfalls intakt. Ein ungesunder Lebensstil jedoch – durch beispielsweise ungesunde Ernährung, Schlafmangel, zu viel Stress, Medikamente und sonstige Schadstoffe – beeinflusst das Darmmilieu so stark, dass es aus dem Gleichgewicht gerät. Die Anzahl der guten Bakterien vermindert sich, die der schlechten, pathogenen Bakterien erhöht sich. Es kommt zu Entzündungsprozessen im Darm. Kann der Körper das Gleichgewicht nicht wiederherstellen, kann dies dazu führen, dass die Entzündungsprozesse chronisch werden und Krankheiten entstehen.

Soweit so gut, aber was hat das nun mit Hashimoto zu tun?

Wer an Hashimoto erkrankt ist, hat oft mit Verdauungsbeschwerden zu kämpfen, besonders die chronische Verstopfung tritt durch den verlangsamten Stoffwechsel sehr häufig auf. Zusätzlich erinnern wir uns an die Information aus meinem letzten Beitrag über die größten Allergene Gluten und Milchprodukte. Diese, aber auch viele weitere Nahrungsmittel, können Nahrungsmittelunverträglichkeiten auslösen und die Darmflora weiter schädigen.

Allergene belasten somit das Immunsystem, und heizen damit die Autoimmunprozesse noch weiter an. Die Schilddrüsenantikörper steigen und schädigen damit die Schilddrüse umso stärker.

Das heißt … die chronische Entzündung im Körper muss gestoppt werden, damit das Bombardement auf unsere Schilddrüse gestoppt oder zumindest abgeschwächt wird. Aber wie geht das?

 

Ein Leben ohne Brot und Milch – unvorstellbar?

 

Die Ernährung ist nicht das einzige, das Autoimmunprozesse anheizen kann. Auch Schwermetalle, Lebensstil, Stress, Schlafmangel usw. haben alle immense Auswirkungen auf den Darm und die Schilddrüse. Aber die eigene Ernährung kann man auf einfache Weise ändern. Es liegt allein in unserer Hand, was wir zu uns nehmen und was nicht. Es ist eine bewusste Entscheidung, die wir täglich und bei jeder Mahlzeit treffen.

Bei Hashimoto wird aus den bisher genannten Gründen zu einer entzündungs- und allergenarmen Ernährung geraten. Diese besteht aus Nahrungsmitteln, die dem Körper all die Nähr- und Vitalstoffe liefert, die dieser benötigt, um sich in einem gesunden Gleichgewicht zu befinden, auch Homöostase genannt. Und aus der Meidung von Nahrungsmitteln, die eben keine oder wenig Vitalstoffe liefern, aber im Körper allergen und entzündungsfördernd wirken.

Die bekanntesten Allergene sind Gluten, Laktose, Casein, Fruktose und Histamin. Aber auch Hülsenfrüchte, Eier, Nüsse und Nachtschattengewächse können die Ursache für Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein.

Daher wird bei Hashimoto dazu geraten, zuerst mal auf die Hauptallergene zu verzichten. Die sogenannte Paleo-Ernährung kann hierfür ein guter Einstieg sein. Für mindestens vier Wochen wird auf Getreide, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Zucker, Fertigprodukte und die meisten Pflanzenöle verzichtet.

Stattdessen werden Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, hochwertige Öle und Fette gegessen. Wenn man sich nach diesen etwa vier Wochen immer noch nicht wesentlich besser fühlt, kann man einen Schritt weiter gehen und weitere mögliche Allergene von seinem Speiseplan streichen.

Hier bietet sich das sogenannte Autoimmunprotokoll (AIP) an, das zusätzlich zu den bei Paleo gemiedenen Lebensmitteln noch weitere enthält: Nüsse, Eier, Nachtschattengewächse (Tomaten, Paprika, Melanzani/Auberginen und Kartoffeln).

 

Nicht für die Ewigkeit …

 

Aber Achtung, dieses Ernährungsprotokoll ist nicht für die Ewigkeit gedacht, sondern soll dazu dienen, etwaige Unverträglichkeiten herauszufinden. Diese Vorgehensweise wird auch Eliminationsdiät genannt und wird von Hashimoto-Experten empfohlen (Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3).

Sobald man beginnt, sich besser zu fühlen, kann man ein Nahrungsmittel nach dem anderen wieder einführen und somit testen, ob man es verträgt oder nicht.

2017 fand übrigens eine Studie statt, in welcher die Auswirkungen einer solchen Low Carb-Ernährung bei Hashimoto überprüft wurden, mit durchwegs positiven Ergebnissen. (Quelle)

 

Mein Weg mit Paleo, AIP und Pegan

 

Ich habe vor einigen Jahren mit Paleo begonnen, nach und nach weitere Lebensmittel gestrichen, z.B. Nüsse und Nachtschattengewächse, und eine Zeit lang sogar das sehr strikte Autoimmunprotokoll befolgt. Es war eine wirklich harte Zeit, da kann man nichts schönreden daran. Besonders die Eier fehlten mir sehr. Ich konnte dann aber alles wieder problemlos einführen und somit war mir klar, dass ich bei einer „normalen“ Paleo-Ernährung gut aufgehoben war.

Auch mit Paleo testete ich in den letzten Jahren immer wieder Nahrungsmittel, um zu sehen, wie ich darauf reagierte.

Ich weiß heute, dass ich herkömmliches Getreide in Form von Weizen, Roggen und Dinkel nie wieder in meinem Leben benötige und es auch nicht vermisse. Es macht mich tagelang müde, und mit viel Energie läuft das Leben doch um ein Vielfaches einfacher ab, dieses Gefühl möchte ich nicht missen.

Milchprodukte verschleimen mich, jene von der Kuh stärker als jene von Ziege und Schaf. Zucker geht gar nicht, egal in welcher Form, ich bekomme sofort unreine Haut, werde müde, die Verdauung wird schlechter.

Ich habe gelernt, dass der Körper viel mehr hochwertige Öle und Fette benötigt – und es war eine schwere Umstellung auf mehr Fett in meiner Ernährung, denn auch ich war seit Kindheitstagen umgeben von der allgegenwärtigen Fettphobie. Ein sehr wichtiges und spannendes Thema, da wird es ganz sicher bald einen Blogartikel dazu von mir geben 😉

Ich ernähre mich heute hauptsächlich nach Paleo – wobei es eher dem „gelockerten“ „Pegan“-Konzept von Dr. Mark Hyman entspricht (Quelle):

  • Extrem viel Gemüse, jedoch keine Tomaten und wenig Kartoffeln
  • Wenig Obst, hauptsächlich Beeren
  • Eier, täglich!
  • Fisch, ich liebe guten Wildlachs!
  • Fleisch, aber keine Unmengen, wie allgemein bei Paleo angenommen wird
  • Gute Fette in Form von Ghee (Butterschmalz), Kokosöl, und Olivenöl
  • Kein glutenhaltiges Getreide, aber sehr wohl kleine Mengen an Pseudogetreide (z.B. Quinoa) und Reis
  • Keine Kuhmilchprodukte, sehr selten Schaf- oder Ziegenkäse
  • Nüsse und Samen
  • Kein raffinierter industriell hergestellter Zucker, keine Trockenfrüchte, aber sehr wohl kleinste Mengen an natürlichem Zucker in Form von Honig oder Ahornsirup
  • Kleine Mengen an Hülsenfrüchten
  • Hochwertiges Salz mit jodhaltigen Algen

Soviel zu mir und meiner Ernährung. Ich dachte mir ja anfangs wirklich, dass ich die Paleo-Ernährung einige Wochen durchziehen würde können, länger aber sicher nicht. Kein Brot und keine Nudeln? No way! Ich konnte mir absolut nicht vorstellen, mich mein Leben lang so zu ernähren.

Nun einige Jahre später weiß ich welche Auswirkungen eine gute vitalstoffreiche Ernährung auf den Darm, die Schilddrüse, den Energiehaushalt, auf jeden Bereich unseres Körpers haben kann. Keine Verdauungsbeschwerden, eine schöne Haut (ich hatte seit meinem 10. Lebensjahr schwere Akne im Gesicht und Oberkörper und ein Ekzem auf der Kopfhaut), keine Regelschmerzen, 15 kg weniger auf der Waage in den ersten Monaten, und mehr Energie. Für mich bedeutet das pure Lebensenergie. Ich kann mir nicht vorstellen, mich jemals wieder anders zu ernähren.

 

War die Ernährung das einzige, das mir geholfen hat?

 

Nein! Die Ernährungsumstellung war ein wichtiger und essentieller Teil meines alternativen Gesundheitsweges, aber erst als ich weitere Dinge in meinem Leben optimierte, besonders meinen Schlaf und mein Stressmanagement, hatte ich das Gefühl, auf dem wirklich richtigen Weg zu sein.

Doch dazu ein anderes Mal mehr.

 


 

WICHTIG: Die dargestellten Informationen sind ausschließlich für den Informationsgebrauch bestimmt. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und können einen ärztlichen Rat nicht ersetzen. Ferner sind die dargestellten Informationen nicht dazu geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Ebenso wenig dürfen sie als Aufforderung zu einer bestimmten Behandlung oder Nicht-Behandlung einer möglichen Krankheit verstanden werden.

 


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Über die Autorin - Mag. Klaudia Schuh

Klaudia Schuh hat selbst lange um ihre Gesundheit gekämpft. Was sie in den letzten Jahren am eigenen Leibe erfahren durfte war, dass sowohl der Lebensraum der uns umgibt, als auch die Art der Nahrung die wir zu uns nehmen, einen immensen Einfluss auf die Qualität unseres Lebens und unser Wohlbefinden haben. Durch Veränderungen ihres Lebensstils, vor allem durch verbesserte Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten, hat sie Schritt für Schritt mehr Lebensqualität zurückerlangt.

Und genau das möchte sie auch für Ihre Klientinnen und Klienten erreichen. Sie arbeitet als ganzheitlicher Gesundheits- und Schlafcoach in eigener Praxis in Österreich, und praktiziert einen ganzheitlichen Gesundheitsansatz indem sie alle Teile des Seins betrachtet und wie diese miteinander verbunden sind. So kombiniert sie ihr gesamtes Wissen und ihre Erfahrung aus den Bereichen Schlafwissenschaft, Ernährung, Schadstoffe und Entspannung und begleitet ihre Klientinnen und Klienten leidenschaftlich auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Energie.

Auf ihrem Blog schreibt sie vor allem zu den Themen wohltuender und gesunder Schlaf und Schlafschwierigkeiten, Hormongleichgewicht und artgerechte Ernährung.

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