Von Hashimoto, Stress und (un)ermüdlichen Nebennieren
Von Hashimoto, Stress und (un)ermüdlichen Nebennieren

Von Hashimoto, Stress und (un)ermüdlichen Nebennieren

Mein Hashimoto begleitet mich nun seit Jugendtagen an. Wie ich im Laufe meines Weges darauf kam, dass viele meiner Symptome nicht (nur) vom Hashimoto stammten, sondern von einer sogenannten Nebennierenschwäche – darüber berichtete ich in meinem letzten Blogartikel.

 

Wie war das nochmal mit der Nebennierenschwäche?

 

Wann immer wir uns in einer Stresssituation befinden, schüttet unser Körper Stresshormone aus, um auf diese Stresssituation angemessen reagieren zu können. In unserer sehr stressbeladenen Welt und Zeit läuft diese Reaktion entlang der sogenannten HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) allerdings sehr häufig ab. Es werden regelmäßig (= viel zu häufig) Cortisol und andere Stresshormone ausgeschüttet, die Nebennieren sind im Dauereinsatz – und genau dies kann langfristig eben zu einer Nebennierenschwäche (abgekürzt NNS, auch Nebennierenerschöpfung genannt) führen.

Aber was genau hat nun die Nebennierenschwäche mit Hashimoto zu tun? Bedingt das eine das andere? Und falls ja, in welcher Reihenfolge? Was genau kann ich tun, um meine Nebennieren zu stärken? Und wie weiß ich eigentlich, ob ich überhaupt eine Nebennierenschwäche habe, wie wird diese diagnostiziert?

Genau diese Fragen möchte ich mit dem heutigen Artikel beantworten und hier etwas Licht in die ganze Sache bringen. Nicht nur weil ich am eigenen Leib die Auswirkungen von Hashimoto in Verbindung mit einer Nebennierenschwäche erlebt und überwunden habe – sondern weil es einfach ein wirklich wichtiges Thema ist. Für jeden Hashimoto-Patienten, aber auch für jeden Menschen der sich chronisch gestresst fühlt.

 

Wie wird die Nebennierenschwäche diagnostiziert?

 

Die meisten Schulmediziner sind mit der Nebennierenschwäche nicht vertraut. Sie ist nämlich fast nicht mit herkömmlichen Bluttests zu diagnostizieren.

Es gibt zwei Nebennierenerkrankungen, die sehr wohl mittels Bluttests zu diagnostizieren sind: Morbus Addison (extrem niedriger Nebennierenhormonspiegel) und Morbus Cushing (extrem hoher Nebennierenhormonspiegel). Diese Krankheiten treten sehr selten auf, sind Schulmedizinern aber bekannt und werden von diesen auch behandelt.

Die Nebennierenschwäche weist ebenfalls einen niedrigen aber noch „normalen“ Nebennierenhormonspiegel im Blut aus. Die Bluttests sind nicht sensitiv genug, um diese zu diagnostizieren. Daher wird hierfür ein Speicheltest genutzt, um die freien und zirkulierenden Hormone zu messen, wie das Cortisol und das DHEA. In Bluttests werden üblicherweise die gebundenen Hormone gemessen.

Das Cortisol wird von unserer Nebennierenrinde ab etwa 3 Uhr morgens verstärkt ausgeschüttet und sorgt dafür, dass wir aufwachen und tagsüber wachbleiben. Der Höchstwert an Cortisol haben wir idealerweise in den Morgenstunden. Im späteren Tagesverlauf, gegen den späteren Nachmittag hin sinkt der Cortisolspiegel wieder ab und wir werden müde. Es ergibt sich eine schöne Kurve, die in etwa folgendermaßen aussieht:

Quelle: http://www.zrtlab.com/landing-pages/diurnal-cortisol-curves/ 

 

Bei einer Nebennierenschwäche ist dieser natürliche Rhythmus gestört, es kommt je nach Ausprägung der Schwäche zu verstärkten oder zu abgeschwächten Ausschüttungen.

So kann man sich beispielsweise tagsüber sehr müde und erschöpft fühlen, aber kaum wird es dunkel hat man plötzlich den Drang zu putzen (oder was-auch-immer) zu beginnen.

Kennen Sie das? Ich auf jeden Fall. Ich habe nicht umsonst das Beispiel mit dem Putzen genannt. Das war nämlich ich, früher. Am Abend bin ich erst so richtig munter geworden. Ausgelöst durch mein Hormonchaos. Schlafstörungen sind natürlich die Folge – und waren es auch für mich.

 

Und was genau hat das nun mit der Schilddrüse zu tun?

 

Wie schon erwähnt, ähneln die häufigsten Symptome einer Hashimotoerkrankung jenen einer Nebennierenschwäche: Müdigkeit und Energielosigkeit, Schlafprobleme, Gewichtszunahme, Blutzuckerschwankungen, häufige Infekte, Schwindelgefühle, Nervosität, ja sogar Depressionen.

Die Nebennieren haben einen direkten Einfluss auf die Schilddrüse – und umgekehrt genauso. Ein Teufelskreis!

Sehen wir uns daher mal das verbindende Element hierfür an: den Hypothalamus.

Unser Hormonsystem – eine Symphonie?

Der Hypothalamus ist das wichtigste Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems. Einerseits schüttet er selbst die Hormone Oxytocin und Adiuretin aus. Andererseits regt er die Hypophyse dazu an, Hormone zu produzieren.

Die Regulation und das Zusammenspiel der Hormone wird häufig mit einem Orchester verglichen. Während der Hypothalamus der Dirigent ist, ist die Hypophyse die erste Geige. Die Organe und Drüsen sind die Musiker.

Wenn wir Schilddrüsenhormone benötigen, signalisiert der Hypothalamus der Hypophyse (mittels TRH – thyreotropin releasing hormone), dass diese ein schilddrüsenstimulierendes Hormon (das TSH – thyroid-stimulating hormone) ausschütten soll. Diese führt dies aus und so erhält die Schilddrüse den Auftrag, Schilddrüsenhormone zu produzieren.

Sobald genügend Hormone hergestellt wurden, wird der Hypothalamus informiert und er beendet das Signal an die Hypophyse. Dies nennt man den „negativen Feedback-Effekt“.

Hypothalamus und Hypophyse …

Jetzt achten Sie mal auf die soeben genannten Begriffe. Kommen sie Ihnen bekannt vor?

Genau! Unsere Stressreaktionen laufen entlang der sogenannten Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (abgekürzt „HPA Axis“ für hypothalamic-pituitary-adrenal axis auf Englisch, auf Deutsch wäre es „HPA-Achse“ oder auch „HHN-Achse“) ab.

Die HPA-Achse spielt also für die Schilddrüse eine wesentliche Rolle.

Wenn sich also jemand mit einer Schilddrüsenerkrankung trotz Einnahme von Ersatzhormonen nicht gut fühlt, kann es an den Nebennieren liegen. Und wie wir nun wissen, hat Stress eine negative Auswirkung auf die Nebennieren und damit auf die HPA-Achse.

Umgekehrt kann ebenso eine Schilddrüsenunterfunktion eine Auswirkung auf die HPA-Achse haben. Diese kann nämlich aufgrund einer erniedrigten metabolischen Clearance (Entfernung) des Cortisols und des negativen Feedback-Effekts zu einem erhöhten Cortisolspiegel führen.

Dies wiederum stört die Schilddrüsenfunktion, da Cortisol das Enzym (5′-Deiodinase) hemmt, das für die Umwandlung von Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) in Trijodthyronin (T3) verantwortlich ist. Das bedeutet auch, dass die Einnahme eines T4-Schilddrüsenhormonpräparats bei einer Nebennierenschwäche nicht immer dazu führt, dass dieses auch in T3 umgewandelt wird.

Einfach ausgedrückt, ein Zuviel an Cortisol führt zu einer Schwächung der Nebennieren und auch zu einer verminderten Schilddrüsenfunktion. Eine Unterfunktion führt wiederum zu einem erhöhten Cortisolspiegel. Spannend, oder?

 

Wie bringe ich wieder Ordnung in dieses Hormonchaos?

 

2015 führte Dr. Izabella Wentz eine Umfrage unter ihren Lesern durch. 2232 an Hashimoto erkrankte Personen nahmen an der Umfrage teil und beantworteten Fragen zu ihrer Erkrankung, und zwar zu den Faktoren, welche ausschlaggebend waren für eine Verbesserung bzw. für eine Verschlechterung ihrer Krankheit und der Symptome.

Dies führte dazu, dass sie sich besser fühlten:

  • Schlafen 74%
  • Zeit mit geliebten Menschen verbringen 73%
  • Zeit in der Natur verbringen 71%
  • Spazierengehen 66%
  • Massagen 62%
  • Lesen 61%
  • Am Strand sitzen 60%
  • Wärmegefühl 60%
  • Umarmungen 49%
  • Yoga 39%

Dies führte dazu, dass sie sich schlechter fühlten:

  • Schlafmangel 95%
  • Sich gestresst fühlen 93%
  • Umgeben sein von negativen Menschen 76%
  • Streitigkeiten mit geliebten Menschen 73%
  • Mangel an Sonnenschein 66%
  • Kaltes Wetter 53%
  • Pendeln/Verkehr/Stau 41%
  • Winter 38%
  • Intensiver Sport 37%
  • Alkoholgenuss 35%

 


Machen Sie an dieser Stelle eine Pause. Nehmen Sie Stift und Papier zur Hand und schreiben Sie die Dinge auf, durch welche Sie sich besser oder schlechter fühlen in Ihrem Leben. Seien Sie ehrlich. Sie sind der einzige Mensch, der diese Liste zu sehen bekommt.

Und dann nehmen Sie sich vor, mehr von den Dingen zu tun, die Ihnen gut tun – und weniger von den Dingen, die Ihnen nicht so gut tun. Ihrer Gesundheit zuliebe.


 

Maßnahmen zur Stärkung der Nebennieren – und damit der Schilddrüse

 

Laut Izabella Wentz können folgende Maßnahmen die Nebennieren stärken – und damit auch die Schilddrüse. Die Maßnahmen werden an dieser Stelle nur leicht angerissen, da dieses Thema ganze Bücher füllen könnte. Aber keine Sorge, ich werde in den kommenden Blogartikeln sehr stark auf die einzelnen Maßnahmen eingehen.

Schlafen Sie

Tun Sie alles, um gut und tief schlafen zu können. Schlaf ist die absolut wichtigste Maßnahme, wenn es um die Stärkung der Nebennieren geht. Beobachten Sie einige Tage lang Ihre Schlafgewohnheiten:

  • Wann gehen Sie schlafen, wann stehen Sie auf?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, einzuschlafen oder durchzuschlafen? Wann und wie häufig wachen Sie nachts auf?
  • Schlafen Sie 8 Stunden und wachen morgens trotzdem erschöpft und gerädert auf?
  • Wieviel Kaffee trinken Sie, und zu welchen Zeiten?

Beobachten Sie sich einfach eine Zeit lang. Mein nächster Artikel wird Ihnen im nächsten Schritt mehr Informationen zu diesem so wichtigen Thema liefern.

Entstressen Sie Ihr Leben

Entspannungsübungen, sanfte Bewegungseinheiten wie Pilates oder Krafttraining, Zeit mit Freunden, genügend Zeit für sich, entspannende Magnesiumbäder, usw.

Es gibt nicht die eine Maßnahme, die jeden von uns entspannt. Finden Sie für sich heraus, was Ihr Leben entschleunigt und entstresst, und bauen Sie es regelmäßig in Ihren Alltag ein.

Reduzieren Sie Entzündungen, Blutzuckerschwankungen und Vitalstoffmängel

Ja, auch Entzündungen verursachen Stress. Eine Nahrungsunverträglichkeit führt zu Entzündungen und bedeutet Stress für den Körper, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht.

Achten Sie auf Ihre Ernährung, und Sie werden nicht nur Entzündungen reduzieren können, sondern auch Blutzuckerschwankungen und eventuelle Vitalstoffmängel. Meine letzten Artikel (hier, hier und hier) liefern Ihnen hierfür einen guten Überblick.

Nützen Sie die Wirkung von Adaptogenen

Es gibt Pflanzenstoffe, die unserem Körper helfen können, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen (engl. „to adapt“ = sich anpassen). Dazu gehören Ashwagandha, Ginseng, Shiitake, Maitake, Schisandra, Rosenwurz, Maca, und vieles mehr.

Nun muss ich an dieser Stelle allerdings erwähnen, dass es nicht so ist, dass man einfach wahllos irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel einnehmen sollte. Wie auch mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln sollte auch hierbei ein versierter Therapeut, Heilpraktiker oder Arzt zu Rate gezogen werden.

 


 

Soviel zu den Maßnahmen …

Mir war wichtig, aufzuzeigen, dass eine klare Verbindung zwischen Ihrem Stresslevel, Ihren Nebennieren und der Funktion Ihrer Schilddrüse besteht. Die Lebensqualität leidet enorm, wenn auch nur einer dieser Faktoren außer Acht gelassen wird.

Mehr dazu erfahren Sie in meinem nächsten Artikel, in welchem ich mich dem Thema Schlaf widme. Wie man ihn verbessert, um zu mehr Energie im Alltag zu gelangen.

 

Quellen:

 


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