Hashimoto und die (un)ermüdlichen Nebennieren – wenn eine Ernährungsumstellung nichts gebracht hat
Hashimoto und die (un)ermüdlichen Nebennieren – wenn eine Ernährungsumstellung nichts gebracht hat

Hashimoto und die (un)ermüdlichen Nebennieren – wenn eine Ernährungsumstellung nichts gebracht hat

Haarausfall. Gewichtszunahme. Müdigkeit. Antriebslosigkeit. Verstopfung. Depressionen. Schlafprobleme …

 

Wenn wir die Diagnose Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion erhalten, sind wir zuerst mal erleichtert. Wir wissen endlich, was los ist, wieso wir die Symptome haben die wir haben. Es ist die Schilddrüse, sie arbeitet nicht so wie sie sollte.

Wir nehmen die verordneten Medikamente ein und hoffen, dass nun alles wieder gut ist. Dass die Haare wieder anfangen zu wachsen, dass wir abnehmen, dass die Müdigkeit und Antriebslosigkeit verschwindet, und so weiter und so fort. Und irgendwie geht es uns ja auch besser, aber ganz verschwinden die Symptome dann irgendwie doch nicht. Wir gehen wieder zum Arzt, doch die Blutwerte scheinen okay zu sein.

 

„Niemand kann körperlich ganz gesund sein, wenn ein Teil des Leibes es nicht ist“

 

… sagte schon Aristoteles. Wenn wir die Diagnose Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion haben, ist es ein Leichtes, jedes Symptom auf die Schilddrüse zu schieben. Es ist dieser eine Teil des Leibes, der nicht ganz gesund ist. Aber ist es so? Ist die Schilddrüse wirklich für alles verantwortlich was wir an Symptomen vorzuweisen haben?

Wir wissen mittlerweile, dass es nicht reicht, bei einer Schilddrüsenerkrankung einfach nur die fehlenden Hormone zu ersetzen. Eine Reihe von Faktoren beeinflusst unsere Schilddrüsengesundheit. Ein Vitalstoffmangel kann sich ebenso negativ auf die Schilddrüse auswirken wie eine schlechte Darmgesundheit oder eine Schwermetallbelastung. Häufig bemerken wir, dass wir in einer sehr stressigen Phase in eine Unterfunktion rutschen, eher müde und antriebslos sind, schlecht schlafen und an Gewicht zunehmen. Wieso ist das so?

 

Ist immer die Schilddrüse schuld an allem?  

 

Lassen Sie mich an dieser Stelle kurz ausholen und an meine letzten Blogbeiträge anknüpfen. Wie ich berichtet habe (hier, hier und hier), habe ich vor einigen Jahren meine Ernährung grundlegend umgestellt.

Die Auswirkungen auf meinen Körper empfand ich als sensationell: 15 kg Gewichtsabnahme innerhalb von wenigen Wochen. Meine Akne verschwand, stattdessen genoss ich zum ersten Mal seit meiner Kindheit eine wunderschöne, glatte Haut. Mein Kopfhautekzem verschwand. Meine Verdauungsbeschwerden verschwanden. Und meine Regelschmerzen ebenso. Ich hatte massiv an Lebensqualität gewonnen.

Aber – und hier kommt das große ABER – ich war immer noch müde und antriebslos, ungeduldig und schnell gereizt, und ich schlief schlecht. Alles logisch, würde man meinen, ich hatte schließlich ein Kleinkind und ein Baby zuhause, und damit einen chronischen Schlafmangel.

Was ich dann tat war, meinen Lebensstil komplett zu überdenken, denn die Ernährung allein würde mich wohl nicht weiter bringen. 

Nachdem ich also immer noch sehr müde war und es mir aufgrund meiner Energielosigkeit schwer fiel, neben Haushalt, Kindern & Co. auch noch gesund zu kochen, fing ich an, mir mein Leben genauer anzusehen, ich musste unbedingt etwas ändern.

Ich hatte bereits alle zwei Wochen eine Haushaltshilfe, und meine Eltern halfen mir regelmäßig mit den Kindern. Ich zählte die Minuten, bis endlich mein Mann abends nach Hause kam, um mir zu helfen, die Kinder ins Bett zu bringen. Die kleinsten Dinge stressten und nervten mich. Ich fühlte mich furchtbar, dass ich es offensichtlich nicht schaffte, meinen Alltag alleine und ohne Hilfe zu bewältigen, dass ich proaktiv um Hilfe bitten musste. Ohne eine offizielle Diagnose zu haben, würde ich wagen zu behaupten, dass ich mich in einem Burnout befand, oder zumindest in den Anfängen davon.

 

Zeit für mich – für MICH allein

 

Ich bat meinen Mann, einige Tage Urlaub zu nehmen, um sich um die Kinder zu kümmern (der Ältere war damals 3 Jahre und der Jüngere 9 Monate jung) – damit ich wegfahren konnte. Alleine. Natürlich nicht ohne Schuldgefühle. Denn mir zu erlauben, mir einfach nur Zeit für MICH zu nehmen, war nicht ohne. Es waren nur vier Tage, und sie brachten mir nicht unendlich viel Energie zurück. Aber sie halfen mir, mein Leben ein wenig zu überdenken.

Ich schaute mir also an, was unnötig war und was ich streichen oder zumindest eine Zeit lang ruhen lassen könnte. War die selbstgekochte Marmelade essentiell für mein Leben? War ein top-gepflegter Garten ein Muss, oder könnte ich die Gartenarbeit auch mal etwas schleifen lassen und mich mit sprießendem Unkraut anfreunden? Was könnte ich an jemand anderen delegieren? Wie könnte ich zu mehr Schlaf gelangen? Ich befasste mich sehr intensiv damit, und gelangte schließlich zum Thema Nebennierenschwäche, auf Englisch „Adrenal Fatigue“ genannt.

 

Die Nebennieren: winzig – und doch lebenswichtig

 

Die Nebennieren sind walnussgroß und sitzen wie zwei kleine Kappen auf den Nieren. Sie sind wirklich winzig, besonders wenn man bedenkt, welche wichtigen Funktionen sie für unseren Körper und unsere Gesundheit, insbesondere für unsere Schilddrüsengesundheit, haben:

Die Nebennieren produzieren eine ganze Reihe an Hormonen:

  • Im inneren Bereich, dem Nebennierenmark, werden die Hormone und Neurotransmitter Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin hergestellt.
  • Im äußeren Bereich, der Nebennierenrinde, werden wiederum andere Hormone wie beispielsweise Cortisol, Aldosteron, Testosteron und Progesteron hergestellt.

 

Die körperliche Stressreaktion – Kampf oder Flucht?

 

Zur besseren Veranschaulichung wofür die Nebennieren gut sind, stellen Sie sich bitte folgende Situation vor:

Nach einem langen Arbeitstag und einem gemütlichen After-Work-Treffen mit einigen Kollegen sind Sie alleine auf dem Weg nach Hause. Sie steigen aus der U-Bahn aus und machen sich zu Fuß weiter auf den Weg. Es ist bereits dunkel und die Straßen schon leer. Nach einigen Minuten bemerken Sie Schritte hinter sich. Sie drehen sich kurz um und entdecken einen großen Mann dicht hinter Ihnen. Sie fühlen sich plötzlich unsicher und gehen etwas schneller. Sie werden nervös und blicken sich um, ob da nicht doch noch eine Person zu sehen ist. Leider nein, weit und breit niemand zu sehen. 1000 Gedanken schießen Ihnen durch den Kopf. Sie überlegen, was Sie in der Handtasche haben. Ob Sie sich unter Zuhilfenahme Ihres Schlüssels wehren werden können?

Plötzlich entfernen sich die Schritte. Sie blicken kurz zurück und sehen, dass der Mann abgebogen ist und durch eine Haustüre geht. Der Mann war einfach nur auf dem Nachhauseweg, genau wie Sie auch. 

Sie bemerken, wie die Spannung abfällt. Sie lassen die Hand, mit welcher Sie die Schlüssel fest umkrallt hatten, locker. Sie fühlen sich erleichtert.

Dieser Mann war nie eine Gefahr für Sie. Aber Sie hatten das Gefühl, es wäre so. Was hier auf körperlicher Ebene passiert ist, kann folgendermaßen erklärt werden:

Unser Nervensystem hat eine sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion (auf Englisch: „fight or flight response“) einprogrammiert. Wenn wir uns bedroht fühlen, veranlasst das Gehirn den Befehl an die Nebennieren, Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol freizusetzen.

 

Die HPA-Stress-Achse

 

Unser eingebauter Stress-Mechanismus findet also nicht nur an einer Stelle im Körper statt, sondern es sind sogar mehrere Hormondrüsen daran beteiligt: der Hypothalamus, die Hypophyse und die Nebennieren. Entlang dieser sogenannten Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (abgekürzt „HPA Axis“ für hypothalamic-pituitary-adrenal axis auf Englisch, auf Deutsch wäre es „HPA-Achse“ oder auch „HHN-Achse“) laufen also unsere Stressreaktionen ab.

Durch die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol fangen Sie an, stärker zu atmen, Sie brauchen schließlich augenblicklich mehr Sauerstoff, damit Ihre Muskeln gut funktionieren und Sie besser flüchten – oder sich wehren – können. Ihre Pupillen weiten sich, alles sehen zu können ist jetzt überlebenswichtig. Zucker wird in den Blutkreislauf gepumpt, damit die Muskeln zu mehr Energie kommen. Im Gegenzug wird die Insulinproduktion erhöht, um den Blutzucker zu regulieren. Die Gefäße verengen sich, und somit steigt der Blutdruck. Die Verdauung fährt zurück, denn schließlich gibt es gerade Wichtigeres zu tun.

Diese Reaktion ist eine sehr praktische, wenn man von einem Löwen verfolgt wird. Nur ist es doch so, dass die meisten von uns keinen Angriff eines Löwen fürchten müssen. Auch die obengenannte „Verfolgungsszene“ erleben die meisten von uns eher selten. In unserem Körper eingebaut haben wir diesen Stress-Mechanismus trotzdem.

Ob wir von einem Löwen verfolgt werden oder den Straßenverkehr als zu laut empfinden – unser Körper sieht beides als Stresssituation und macht hier keinen Unterschied in seiner Reaktion darauf. Es ist auch völlig irrelevant, ob die „Gefahr“ eine tatsächliche ist oder von uns nur als solche wahrgenommen wird.

Also egal, ob wir …

  • im Job gemobbt werden,
  • arbeitslos sind,
  • finanzielle Probleme haben,
  • uns um ein krankes Familienmitglied kümmern und sorgen,
  • uns im ständigen Zeitdruck befinden,
  • uns extrem körperlich anstrengen,
  • an einer Grippe laborieren,
  • uns schlecht ernähren, unserem Körper also nicht die Nähr- und Vitalstoffe geben, die er für optimale Energie bräuchte,
  • nicht genügend schlafen,
  • nach dem Eisgenuss ein schlechtes Gewissen haben,
  • uns ständig Gedanken um unser Gewicht machen,
  • oder den Verkehr oder die Musik als zu laut empfinden …

… es sind alles Stressfaktoren, die immer dieselbe Stressreaktion auslösen:

Stresshormone, insbesondere Cortisol, werden ausgeschüttet, nachdem sie in den Nebennieren hergestellt wurden. Immer und immer wieder, bei jeder stressigen Situation erneut.

 

Das Problem dabei?

 

Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir alle brauchen mal Ruhe. So auch unsere Organe und eben auch unsere Hormondrüsen. Wenn dies nicht eintritt, wenn unser Körper tagtäglich mit Stress fertigwerden muss und gleichzeitig keine Möglichkeit der Erholung hat, und dies über einen längeren Zeitraum, so erschöpfen unsere Nebennieren mit der Zeit, sie können nicht mehr die Menge an Cortisol herstellen, die wir für eine stressige Situation benötigen. Man spricht dann von der sogenannten Nebennierenschwäche.

Dies zeigt sich in unserer Fähigkeit, mit Stress bzw. mit den gewöhnlichen alltäglichen Anforderungen an uns fertig zu werden. Wir fühlen uns müde und antriebslos. Morgens kommen wir trotz 8 Stunden Schlaf nicht aus dem Bett, es dauert einige Stunden bis wir so richtig wach sind. Wir versuchen, durch kalorienreiches Essen zu Energie zu kommen. Nur keine Mahlzeiten auslassen, sonst fühlen wir uns noch schlechter. Abends bekommen wir plötzlich Energie und fühlen uns munter. Wir reagieren gereizt und genervt bei den kleinsten Dingen. Und irgendwie fühlen wir uns nie so richtig fit und leistungsfähig.

Die Folgen sind Müdigkeit und Energielosigkeit, Schlafprobleme, Gewichtszunahme, häufige Infekte, Schwindelgefühle, Nervosität, ja sogar Depressionen.

Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Ähnelt doch irgendwie den Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion, nicht wahr? Zusätzlich haben die Nebennieren einen irrsinnigen Einfluss auf die Schilddrüse.

Mehr dazu, zur Verbindung zwischen den Nebennieren und der Schilddrüse, und vor allem wie wir beidem wieder zu Kraft verhelfen können, erfahren Sie in meinem nächsten Blogbeitrag.

 


Quellen:

 

 


 

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