Gluten – Glutenfrei: Alles nur ein Hype oder gibt es tatsächlich einen Zusammenhang mit Hashimoto?
Gluten – Glutenfrei: Alles nur ein Hype oder gibt es tatsächlich einen Zusammenhang mit Hashimoto?

Gluten – Glutenfrei: Alles nur ein Hype oder gibt es tatsächlich einen Zusammenhang mit Hashimoto?

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich die Verbindung zwischen Blutzuckerschwankungen und Hashimoto aufgezeigt. Was hat Hashimoto aber nun tatsächlich mit Zucker und Kohlenhydraten und Gluten zu tun? Dieser Artikel soll helfen, etwas Licht in diese Sache zu bringen.

Meine Ernährungsumstellung aufgrund meiner Hashimoto-Krankheit

Ich leide bereits beinahe mein ganzes Leben an Hashimoto. Die Diagnose bekam ich mit Anfang 20. Rückblickend denke ich, dass ich diese Krankheit bereits als Kind und Jugendliche hatte, wenn ich an die Symptome von damals zurückdenke.

Nach der Geburt meines zweiten Sohnes vor einigen Jahren fühlte ich mich sehr sehr schlecht. Dauernd müde und erschöpft, starker Haarausfall, und ich konnte kein Gramm meines Schwangerschaftsgewichts abnehmen. Alles sehr typisch für die Zeit nach der Geburt, nicht wahr? Bis auf das Gewicht.

Ich war durch das hormonelle Chaos, ausgelöst durch Schwangerschaft und Geburt, in eine Unterfunktion gerutscht. Zum ersten Mal in meinem Leben fing ich an, selbst über Hashimoto zu recherchieren, da mein Arzt meine Symptome nicht so ernst nahm wie ich es mir gewünscht hätte. Ich las und lernte und setzte mein neuerworbenes Wissen sofort um.

Mein erster Schritt war, meine Ernährung umzustellen. Ich verzichtete auf Gluten. Nein, ich nahm keine glutenfreien Produkte zu mir. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nämlich nichts von deren Existenz 😉 Ich aß einfach kein Brot mehr, keine Nudeln, usw. Nichts, das Gluten enthielt.

Aber wieso Gluten? Leide ich an Zöliakie? Nein, tue ich nicht. In meinem Körper läuft keine Autoimmunreaktion ab, die meine Dünndarmschleimhaut schädigt (so wie es bei Zöliakieerkrankten der Fall ist), sondern eine Autoimmunreaktion schädigt mein Schilddrüsengewebe. Beides, Zöliakie als auch Hashimoto Thyreoiditis, sind also Autoimmunkrankheiten. Das bedeutet, es kommt bei beiden Krankheiten zu Autoimmunreaktionen, also zur Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Zellen. Das Immunsystem ist quasi Amok gelaufen.

Die Zöliakie ist die einzige Autoimmunerkrankung, deren Ursache bekannt ist, und zwar wird es durch in Getreide enthaltenes Gluten ausgelöst. Was ist aber nun mit allen Menschen, die Gluten nicht vertragen, aber keine Zöliakie haben? Jahrelang wurde das Befinden dieser Menschen nicht ernst genommen, da es keine wissenschaftlichen Beweise für die sogenannte nichtzöliakische Glutensensitivität gab. Neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass manche Menschen sehr wohl überempfindlich auf Gluten reagieren, auch wenn sie nicht an Zöliakie erkrankt sind. (Quelle)

Bestimmte Proteine können eine Reaktion des Immunsystems auslösen. Gluten ist ein Protein, das in Getreide vorkommt. Bekannt ist vor allem das in Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste enthaltene Gluten. Relativ unbekannt ist allerdings die Tatsache, dass Gluten in allen Formen von Getreide, also auch in Mais und Reis und anderen Getreidesorten, enthalten ist.

Von Gluten, Leaky Gut, und all den anderen Schlagwörtern in der heutigen Hashimoto-Welt

Gluten kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Leim“. Es wird daher auch Klebereiweiß genannt.

„Gluten besteht aus zwei Proteingruppen, die Prolamine und Gluteline. Jedes Getreide hat seine eigenen Prolamine und Gluteline. Das Prolamin des Weizens heißt zum Beispiel Gliadin, das Weizen-Glutelin heißt Glutenin. Die unterschiedlichen Getreidesorten enthalten verschiedene Formen von Gluten.“ (Quelle)

Hier eine Übersicht wie viel Gluten in den einzelnen Getreidesorten enthalten ist:  (Quelle)

 

Getreide

Wichtigste Glutenart

Prozentualer Anteil am Gesamtproteingehalt

Weizen

Gliadin

69

Roggen

Secalin

30-50

Gerste

Hordein

46-52

Hafer Avenin

12-16

Hirse

Panicin

40

Mais Zein

55

Reis

Oryzenin

5

Sorghumhirse

Kafirin

52

Perlhirse Pennisetin

11

 

Eine der ersten „Nebenwirkungen“ von Glutensensitivität, die man entdeckte, war die Darmdurchlässigkeit, das sogenannte Leaky Gut Syndrom.

Eine wichtige Aufgabe des Darms ist es, unerwünschte Bestandteile im Verdauungstrakt vom Blutkreislauf fernzuhalten, sodass diese den Körper wieder verlassen können, ohne jeglichen Schaden angerichtet zu haben. Wenn jemand nun aber, egal ob glutensensitiv oder nicht, etwas isst das Gluten enthält, wandern die Glutenproteine bis zur Dünndarmschleimhaut. Dort angekommen produziert der Körper Zonulin, ein erst vor einigen Jahren entdecktes Protein. Je mehr Zonulin produziert wird, desto stärker werden die Darmzellen geschädigt, da die sogenannten Tight Junctions (dichte Verbindungen, also der Zwischenraum der Zellen) undicht werden.

Normalerweise regenerieren und erneuern sich die Darmschleimhautzellen innerhalb von 48 Stunden und die Tight Junctions sind wieder dicht. Bei einer Glutensensitivität dauert dieser Vorgang allerdings wesentlich länger, und bei einem regelmäßigen, täglichen Verzehr von glutenhaltigen Nahrungsmitteln hat der Darm keine Möglichkeit, zu heilen.

Wenn der Darm durch Glutenproteine „durchlässig“ geworden ist, können unvollständig verdaute Nahrungsbestandteile als auch Giftstoffe ungehindert in den Blutkreislauf gelangen. Für den Körper stellen diese Bestandteile Fremdkörper dar, er fühlt sich angegriffen und reagiert mit einer Immunreaktion, um diese Fremdkörper unschädlich zu machen. Dies führt zu Entzündungsprozessen im Darm.

Laut Dr. Alessio Fasano (Quelle) gibt es tausend verschiedene mögliche Ursachen für Hashimoto. Es ist aber immer eine Kombination aus Genen, Triggern und der genannten Darmdurchlässigkeit. Die Darmdurchlässigkeit erlaubt es den möglichen Triggern, eine Autoimmunreaktion des Körpers überhaupt zu aktivieren.

Wie läuft eine Immunreaktion im Körper eigentlich ab?

Erinnern wir uns zurück an den Biologieunterricht in der Schule. Wenn unser Körper Kontakt hat zu einem Bakterium, einem Virus oder anderen Krankheitserreger, lernt er diesen Erreger kennen und merkt ihn sich. Er bildet Antikörper dagegen, um für zukünftige Angriffe gewappnet zu sein. (Quelle 1 und Quelle 2)

Das Immunsystem ist jedoch störanfällig. Es kann Antikörper gegen körpereigene Zellen bilden, die den eingedrungenen Erregern von der molekularen Struktur und Proteinsequenz her ähneln. Im Fall von Hashimoto nimmt man an, dass sich das Glutenprotein und die körpereigenen Schilddrüsengewebszellen so sehr ähneln, dass der Körper unabsichtlich das Schilddrüsengewebe attackiert und zerstört solange sich auch Glutenproteine im Blutkreislauf befinden. Dieses Phänomen wird als Molekulare Mimikry bezeichnet, und stellt laut Autoimmunexperten einen möglichen Auslöser der Hashimotoerkrankung dar.

Nahrungsmittelunverträglichkeitstests – sinnvoll?

Die soeben genannten Argumente waren damals für mich die Beweggründe, Gluten – und damit jegliches Getreide – von meinem Speiseplan zu streichen.

Ich hatte lange überlegt, ob ich einen Nahrungsmittelunverträglichkeitstest machen soll, und habe mich dann letztendlich dagegen entschieden. Ich war überzeugt, mein Körper würde mir schon deutlich sagen können, ob ich etwas vertrage oder nicht. Und so war es auch.

Laut Dr. Peter Osborne (Buch) gibt es weltweit keinen einzigen Glutenunverträglichkeitstest, der alle Glutenarten überprüft. Es wird fast ausschließlich auf Gliadin getestet. Bei einem negativen Ergebnis kann es daher immer noch sein, dass man Dutzende anderer Glutenarten nicht verträgt.

Getreidefrei – nur für eine kurze Zeit oder für immer?

Ich kann mich noch erinnern, dass mein erster Tag der „Glutenfreiheit“ ein Mittwoch war. Am Freitag darauf, also nur zwei Tage später hatte ich plötzlich keinen Heißhunger mehr auf Süßes. Wow. Ein Gefühl, das ich eigentlich nicht gekannt hatte. Und das sich soooo schön und befreiend anfühlte.

Aber auch logisch. Getreide sind Kohlenhydrate. Und Kohlenhydrate werden im Körper zu Glukose, also zu Zucker, verstoffwechselt. Dabei ist es egal, welchen Ursprungs diese Kohlenhydrate sind, am Ende ist alles Zucker für den Körper. Durch zu viel Zucker im System kommt es zur starken Ausschüttung von Insulin, und damit zu Blutzuckerschwankungen und zu regelmäßigen Phasen der Unterzuckerung, wie bereits in meinem letzten Artikel erläutert.

Mit dem Wegfall der enormen Zuckermengen, die mein Körper verarbeiten musste, verschwanden die Blutzuckerschwankungen, und damit auch die unangenehmen Heißhungerattacken.

Glutenverträglichkeit von 2232 Hashimotopatienten 

Dr. Izabella Wentz führte 2015 eine Umfrage (Quelle) unter ihren Lesern durch. 2232 an Hashimoto erkrankte Personen nahmen an der Umfrage teil und beantworteten Fragen zu ihrer Erkrankung, und zwar zu den Faktoren, welche ausschlaggebend waren für eine Verbesserung bzw. für eine Verschlechterung ihrer Krankheit und der Symptome.

Nahezu 70% aller an der Umfrage teilnehmenden Personen gaben an, durch eine glutenfreie Ernährung Verbesserungen ihrer Verdauungssymptome erfahren zu haben.

Auch wenn dies keine klinische Studie war, so zeigt die Umfrage trotzdem – und gerade auch aufgrund der hohen Anzahl an teilnehmenden Personen – dass Gluten sehr wohl eine große Rolle in der Ernährung von Hashimotopatienten spielen kann.

Paleo – here I come!

Nach den anfänglich sehr positiven Reaktionen auf das Weglassen des Glutens begab ich mich auf die Suche nach einem Arzt, der meine Krankheit ganzheitlich betrachten und behandeln würde, und mir nicht einfach nur Schilddrüsenhormone verschrieb. Ich fand aber keinen. Also machte ich in Eigenregie – und anfangs mit Hilfe einer Kinesiologin weiter.

Ich ließ nicht nur das Gluten weg. Ich verzichtete außerdem auf Milchprodukte und auf Zucker. Denn 50% aller Menschen mit einer Glutensensitivität vertragen auch kein Kasein, das Protein das in Milchprodukten enthalten ist. Dies wird als Kreuzreaktivität bezeichnet, man reagiert also nicht nur auf den ursprünglichen Auslöser sondern auch auf einen weiteren, der dem ursprünglichen sehr ähnlich ist. (Quelle)

Ich änderte nicht nur meine Ernährung, sondern auch meine Schlafgewohnheiten und mein Stressmanagement. Außerdem beschäftige ich mich sehr intensiv mit meiner Zahngesundheit (ich hatte den Mund voll mit Amalgam). Mein erster Schritt war aber die Ernährungsumstellung.

Auf der Suche nach Rezepten stieß ich Wochen später auf die Paleo-Ernährung, auch Steinzeit-Ernährung genannt. Aha! Was ich tat nannte sich also Paleo, und von da an war es viel einfacher für mich, ohne Getreide, Milchprodukte und raffinierten Zucker zu kochen.

Da Hashimoto bekanntlich eine Autoimmunerkrankung ist, versuchte ich mich einige Wochen lang sogar am sogenannten AIP Autoimmunprotokoll. Also auch keine Eier und Nüsse, die ich im Rahmen der Paleo-Ernährung sehr gern gewonnen hatte. Sehr sehr heftig, und absolut nicht einfach umzusetzen. Dies testete ich etwa einen Monat lang und ernährte mich dann aber wieder „normal“ nach Paleo, da es mir keine Besserung gebracht hatte.

 

Ob diese irrsinnigen „Einschränkungen“ bei meiner Ernährung etwas brachten, wo ich heute stehe und ob es „DIE perfekte Ernährung“ bei Hashimoto überhaupt gibt, erfahren Sie in meinem nächsten Blogbeitrag. Bleiben Sie dran 🙂

 


 

WICHTIG: Die dargestellten Informationen sind ausschließlich für den Informationsgebrauch bestimmt. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und können einen ärztlichen Rat nicht ersetzen. Ferner sind die dargestellten Informationen nicht dazu geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Ebenso wenig dürfen sie als Aufforderung zu einer bestimmten Behandlung oder Nicht-Behandlung einer möglichen Krankheit verstanden werden.

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Über die Autorin - Mag. Klaudia Schuh

Klaudia Schuh hat selbst lange um ihre Gesundheit gekämpft. Was sie in den letzten Jahren am eigenen Leibe erfahren durfte war, dass sowohl der Lebensraum der uns umgibt, als auch die Art der Nahrung die wir zu uns nehmen, einen immensen Einfluss auf die Qualität unseres Lebens und unser Wohlbefinden haben. Durch Veränderungen ihres Lebensstils, vor allem durch verbesserte Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten, hat sie Schritt für Schritt mehr Lebensqualität zurückerlangt.

Und genau das möchte sie auch für Ihre Klientinnen und Klienten erreichen. Sie arbeitet als ganzheitlicher Gesundheits- und Schlafcoach in eigener Praxis in Österreich, und praktiziert einen ganzheitlichen Gesundheitsansatz indem sie alle Teile des Seins betrachtet und wie diese miteinander verbunden sind. So kombiniert sie ihr gesamtes Wissen und ihre Erfahrung aus den Bereichen Schlafwissenschaft, Ernährung, Schadstoffe und Entspannung und begleitet ihre Klientinnen und Klienten leidenschaftlich auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Energie.

Auf ihrem Blog schreibt sie vor allem zu den Themen wohltuender und gesunder Schlaf und Schlafschwierigkeiten, Hormongleichgewicht und artgerechte Ernährung.

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Mag. Klaudia Schuh

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