Brauche ich Jod – oder sollte ich es meiden? (Thema Jod / Teil 2)
Brauche ich Jod – oder sollte ich es meiden? (Thema Jod / Teil 2)

Brauche ich Jod – oder sollte ich es meiden? (Thema Jod / Teil 2)

Heute beschäftige ich mich nochmals mit dem essentiellen Spurenelement Jod.

Wir wissen nun, dass Jod unabdingbar ist für eine optimale Schilddrüsengesundheit, genauso wie das Spurenelement Selen. Beides wird für die Herstellung von Schilddrüsenhormonen benötigt, und Selen darüber hinaus auch noch zum Schutz der Schilddrüse gegen körpereigene toxische „Abfälle“. (Mehr dazu hier.)

Doch wie hoch sollte die Jodeinnahme sein? Wie finde ich überhaupt heraus, ob ich einen Jod- oder Selenmangel habe? Reicht es, wenn ich jodiertes Salz zu mir nehme, oder sollte ich dieses meiden? Muss ich Jod einnehmen, wenn ich keinen Mangel habe? Wie kann ich Jod zuführen, wenn ein Mangel diagnostiziert wurde? Was muss ich beachten, wenn ich es einnehme?

Wenn ich Jod erwähne und dass ich es zusätzlich einnehme, kommt fast immer der Einwand, dies sei bei Hashimoto lebensgefährlich und wir hätten doch durch unsere Nahrung und insbesondere durch das allgegenwärtige jodierte Salz genügend davon. Nun, den ersten Einwand habe ich in meinem letzten Artikel behandelt. Kommen wir also zum zweiten: Reicht der natürlich vorkommende Jodgehalt in unserer Nahrung und im Salz, um genügend davon für eine optimale Gesundheit zu haben?

 

Jodmangelland – ja oder nein?

 

Der Jodgehalt von pflanzlichen Lebensmitteln hängt vom Jodgehalt des Bodens ab, auf dem diese angebaut wurden. Bei tierischen Nahrungsmitteln hängt der Jodgehalt vom Futter und Wasser ab, mit dem die Tiere versorgt wurden – und so kommen wir auch hier wiederum zurück zum Boden, denn wenn dieser jodarm ist, ist es auch das Tierfutter.

Deutschland, Österreich und auch die Schweiz gehören zu den sogenannten Jodmangelländern, d.h. in unseren landwirtschaftlich genützten Böden ist viel zu wenig dieses essentiellen Spurenelements enthalten. (Quelle 1Quelle 2, Quelle 3)
Wir können also über die normale regional angebaute und erhältliche Nahrung unseren Körper nicht mit ausreichend Jod versorgen – auch wenn Milchprodukte und grünes Blattgemüse wie Spinat und Feldsalat/Vogerlsalat sehr wohl kleine Mengen an Jod enthalten.

Die besten Jodlieferanten finden wir geographisch etwas weiter entfernt, und zwar im Meer: Meeresfische, Meeresfrüchte und Algen liefern besonders viel Jod. Aber Achtung, der Fisch aus heimischen Flüssen ist jodarm. Da der Meeresfischkonsum bei uns allerdings sehr niedrig ist (Quelle 1Quelle 2), wird stattdessen zur Verwendung von jodiertem Salz geraten.

 

Mit jodiertem Salz gegen den Jodmangel

 

Die Jodierung des Salzes begann Anfang des 20. Jahrhunderts, als man den Versuch unternahm, mittels Jodzusatz die sehr häufigen Fälle von Schilddrüsenkropf und Kretinismus zu reduzieren. Die Schweiz war 1922 das erste Land in welchem dies geschah. Viele weitere Länder folgten kurz danach. Mit Erfolg – seit 1930 gab es in der Schweiz keine an Kretinismus erkrankten Menschen mehr.

Aus Gründen der Haltbarkeit wird im jodierten Speisesalz Kaliumjodat verwendet. Dieses wird im Darm zu Jodid umgewandelt. Jodid selbst ist sehr instabil gegen Umwelteinflüsse wie Sauerstoff und Licht. (Quelle)

Wenn man bei Salz immer zu jodiertem Salz greift, kommt man bei etwa 5 Gramm pro Tag zu 100 bis 125 Mikrogramm Jod. (Quelle)
Nun ist es aber so, dass sich die letzten Jahre der Salzkonsum sehr verändert hat. Aus gesundheitlichen Gründen wird erstens zu salzarmer Kost geraten, und zweitens dazu, eher mineralstoffreiche Salzarten wie Himalayasalz und Meersalz zu konsumieren. Und so kann man in den letzten Jahren wieder eine Jodunterversorgung in der Bevölkerung beobachten. (Quelle)

 

Reicht es also aus, wenn wir jodiertes Salz zu uns nehmen? 

 

Wer weiterhin das jodierte Tafelsalz meiden möchte, kann zu mit Algen angereichertem Meersalz greifen, dies ist in jedem Reformhaus erhältlich.

Aber egal welches jodierte Salz Sie verwenden, salzen Sie nicht während des Kochvorgangs, sondern erst nach dem Erhitzen. Das Jod wird ansonsten chemisch verändert und verflüchtigt sich.

Nun gibt es allerdings auch jodiertes Salz zu kaufen, das auch fluoridiert ist, also Salz das mit Jod und mit Fluorid angereichert ist. Ist dieses empfehlenswert? Fluorid soll die Bildung von Karies reduzieren können. Allerdings ist es ein Antagonist zu Jod, es wurde in der Vergangenheit in der Medizin zur Bekämpfung von Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt. (Quelle)
D.h. wenn das Salz diese beiden Halogene enthält, kann das Fluor das Jod verdrängen, und das Jod steht für der Schilddrüse somit nicht mehr zur Verfügung. (Quelle)  Dr. Izabella Wentz hat hier eine ganze Liste an klinischen Studien zusammengefasst, welche die negative Wirkung von Fluorid auf die Schilddrüse bestätigen.

Wichtig ist, dass das im Salz enthaltene Jod für die meisten nicht ausreichend ist, um die Jodspeicher zu füllen, die der Körper für eine optimale Gesundheit benötigt. (Quelle)

 

Kennen Sie Ihren Jodwert?

 

Wie ich schon erwähnt habe, habe ich den Großteil meines Lebens keinen Gedanken daran verschwendet, ob ich genügend Jod zu mir nehme oder nicht. Ich habe immer jodiertes Salz verwendet, aber sonst keine jodhaltigen Lebensmittel zu mir genommen. Fisch landete alle paar Wochen mal auf meinem Teller. Und so exotische Dinge wie Algen oder Meeresfrüchte nahm ich nie zu mir.

Vor einigen Jahren tauschte ich auch noch auf Anraten einer Ernährungsberaterin das jodierte Salz gegen Himalayasalz. Im Hinterkopf hatte ich die Info, dass Jod bei Hashimoto sowieso nicht empfehlenswert wäre, also alles gut. Fisch aß ich in den letzten Jahren mehr als früher, aber immer noch keine 2-3 Mal pro Woche, wie allgemein empfohlen.

Nun, dank eines sehr aufmerksamen Arztes wurde ich eines Besseren belehrt. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde mir aufgrund meines Hashimotos Jod nicht komplett verboten, sondern es wurde überprüft. Angeblich ein Muss bei jeder Schilddrüsenerkrankung. Ich machte einen Jodtest, und siehe da, ich hatte einen Jodmangel. Zwar keinen gravierenden, aber doch einen leichten Jodmangel. Meine Kinder übrigens ebenso.

Ja, den Jodwert kann man überprüfen lassen! Dafür gibt es einige Möglichkeiten (Quelle):

Mittels Bluttest im Serum kann überprüft werden, ob akute Intoxikationen bzw. Überdosierungen vorhanden sind. Dies ist nicht so häufig der Fall, daher greift man stattdessen zu Urintests, um den Jodwert zu ermitteln. Hier hat allerdings jedes Labor einen anderen Zugang, wie man an den folgenden Urinsammelmöglichkeiten erkennen kann:

24-Stunden-Urin: 24 Stunden lang wird der Urin gesammelt und daraus dann eine Probe entnommen. Dieser Test zeigt an, wieviel Jod im Körper „herumschwirrt“, also im Umlauf ist. Dieser Wert ist laut Kyra Kauffmann sehr stark davon abhängig, was am Vortag gegessen wurde. Außerdem orientieren sich die Referenzwerte dieses Urintests am Bedarf der Schilddrüse und sind daher ungeeignet um den Gesamtbedarf des Körpers zu ermitteln.

1. oder 2. Morgenurin: Dieser Test misst genauso wie der 24-Stunden-Urintest auch, wieviel Jod im Körper im Umlauf ist.

Jodsättigungstest (Loading Test) nach Brownstein/Abraham: Ziel ist es bei diesem Test herauszufinden, ob der Gesamtbedarf der Körperzellen an Jod gedeckt ist. Die Annahme der beiden Jodexperten Dr. David Brownstein und Dr. Guy Abraham ist, dass der Körper etwa 50 Milligramm Jod gespeichert hat. Daher nimmt man vor dem Test einmalig 50 Milligramm an Jod oral ein und sammelt daraufhin den Urin 24 Stunden lang. Davon wird eine Probe im Labor untersucht. Hat der Körper genügend Jod gespeichert, hat also keinen Mangel, so wird beinahe die gesamte Menge an Jod wieder ausgeschieden.

Dieser Test sagt sehr viel darüber aus, wie die Jodsituation im gesamten Körper, also nicht nur in der Schilddrüse, aussieht.

50 Milligramm an Jod sind eine sehr große Menge. Daher wird bei Hashimoto eher davon abgeraten, da eine solch hohe Menge zu Entzündungsprozessen in der Schilddrüse führen kann.

Jod-Haut-Test: Dies ist kein wissenschaftlich fundierter und auch recht ungenauer Test, aber Kyra Kauffmann/Sascha Kauffmann erwähnen ihn in ihrem Buch, weil er schnell und einfach ist und eine Grundtendenz erkennen lässt. Hierbei wird eine 2%ige Lugolsche Lösung (sie ist braun/rot und stark färbend) auf die Innenseite des Unterarms als ca. 6 x 6 cm großes Rechteck aufgetragen. Sollte der braune Fleck nach 12 Stunden nicht mehr sichtbar sein, ohne dass Wasser an die Haut gekommen ist, so kann man davon ausgehen, dass man einen Jodmangel hat. Falls nach 24 Stunden noch sichtbar, bedeutet dies, dass man keinen Jodmangel hat. Ein Großteil des Jods verpufft allerdings an der Luft, und auch Schweiß führt dazu, dass Jod bereits „verfliegt“ bevor es über die Haut aufgenommen wurde.

Ich selbst habe diesen Test an mir natürlich auch probiert. Nach 4 Stunden war der Fleck bei mir komplett verschwunden. Bei meinen Kindern ebenso. Nur auf diesen einen Test würde ich mich auf keinen Fall verlassen.

Gemessen wird die Jodkonzentration in Mikrogramm pro Liter Urin. Die Referenzbereiche nach den Kriterien der WHO (Quelle) sind wie folgt:

  • < 20 schwerer Jodmangel
  • 20-49 moderater Jodmangel
  • 50-99 leichter Jodmangel
  • > 100 ausreichende Jodversorgung, kein Jodmangel

 

Was tun, wenn ein Jodmangel diagnostiziert wurde?

 

Als mein Jodmangel diagnostiziert wurde, begann ich Jod als Nahrungsergänzungsmittel zu mir zu nehmen. Es gibt unterschiedliche Jodarten, was mir damals nicht bewusst war.

Ich nahm das was mir der Arzt empfahl, und das war Kaliumjodid. Dies ist die Jodform, die besonders die Schilddrüse benötigt.

Später wechselte ich auf Kelp, also auf Algenpräparate, welche neben Jodid auch elementares Jod enthalten. Elementares Jod ist jene Jodform, die bevorzugt von anderen Organen als der Schilddrüse benötigt wird, also beispielsweise von den Eierstöcken, den Brustdrüsen und der Prostata.

Mittlerweile nehme ich Jod als Lugolsche Lösung zu mir. Eine Zeit lang als Creme, durch welche das Jod über die Haut aufgenommen wird, seit einiger Zeit nun aber als Tropfen.

Die Lugolsche Lösung geht auf den Arzt Jean Guillaume Lugol (1766-1851) zurück, welcher herausfand, dass sich elementares Jod in einer Kaliumjodidlösung lösen und stabil aufbewahren lässt. Die Lugolsche Lösung enthält sowohl Jodid als auch elementares Jod, also beide Jodformen, die der Körper benötigt.

Wer wie ich einige Jahrzehnte alt ist wird sich vielleicht noch an die Jodlösung aus der Kindheit erinnern. Eine stark färbende bräunlich-rote Lösung mit typischem Jodgeruch, die uns als Kinder auf Wunden aufgetragen wurde, um diese zu desinfizieren. Heute ist die Lugolsche Lösung aus den Apotheken großteils verschwunden. Es gibt stattdessen andere Mittel zur Desinfektion bzw. wird Jod immer noch viel zu selten labortechnisch überprüft, um einen eventuellen Bedarf überhaupt aufdecken zu können, und so hat die natürliche Nachfrage nach der Lugolschen Lösung stark nachgelassen.

Diese Lösung gibt es auch als hochdosierte Tabletten, mit diesen habe ich allerdings keine Erfahrung.

Ach ja, und ein mit Algen jodiertes Salz verwende ich auch.

Wie man sieht, gibt es Jod in unterschiedlichen Formen. Diese unterscheiden sich in ihrer Chemie und Wirkungsweise. Ich werde in diesem Artikel nicht auf die weiteren Unterschiede zwischen diesen Formen eingehen, da es hier den Rahmen sprengen würde, und es exzellente Literatur dazu gibt (siehe untenstehende empfehlenswerte Literatur).

 

Zur Dosierung …

 

Zur Dosierung gibt es keine einheitlichen Empfehlungen. Die WHO (Quelle 1 und Quelle 2) empfiehlt die Einnahme folgender Mengen an Jod pro Tag:

  • 90 Mikrogramm für Kinder bis 6 Jahre
  • 120 Mikrogramm für Kinder von 6 bis 12 Jahre
  • 150 Mikrogramm für Kinder ab 12 und für Erwachsene
  • 250 Mikrogramm für Schwangere und in der Stillzeit

Dem gegenüber stehen die Empfehlungen von Jodexperten wie Dr. David Brownstein und Dr. Guy Abraham, die meinen, dass die von der WHO empfohlenen Mengen gerade einmal den Jodbedarf der Schilddrüse decken würden und viel zu niedrig sind für eine optimale Gesundheit aller Körperorgane.
Das beste Beispiel seien die Japaner, die durch ihren hohen Algenkonsum tagtäglich ein Vielfaches der von WHO empfohlenen Mengen an Jod zu sich nimmt, und das ohne negative gesundheitliche Konsequenzen (Quelle 1: David Brownstein: “Iodine: Why You Need It Why You Can’t Live Without It.” und Quelle 2).

Was aus meiner Sicht an dieser Stelle zu erwähnen sehr wichtig ist, ist dass Sie die Joddiagnostik bei einem schilddrüsen- und joderfahrenen Arzt oder Therapeuten machen lassen, als auch eine eventuelle Supplementierung mit Jod durch diesen begleiten lassen. Jod ist ein sehr potentes Nahrungsergänzungsmittel, und keines das im Alleingang eingenommen werden sollte. Die regelmäßige Überprüfung der Jodwerte und die Anpassung der einzunehmenden Jodmengen ist nicht nur bei Hashimoto unerlässlich.

 

Was Jod sonst noch so benötigt, um optimal wirken zu können

 

Sollte Ihr Arzt oder Heilpraktiker/Therapeut Ihnen Jod verschrieben haben, ist es wichtig zu verstehen, welche sogenannten Cofaktoren Jod benötigt, um optimal wirken zu können.

Wie ich in meinem letzten Artikel beschrieben habe, kann Jod sehr viel Schaden an der Schilddrüse anrichten, wenn es eingenommen wird ohne dass Selen vorhanden ist. Nun, es gibt noch weitere Mikronährstoffe, die für eine optimale Wirkung von Jod benötigt werden (Quelle):

  • Eisen
  • Vitamin A
  • Vitamin B2 (Riboflavin)
  • Vitamin B3 (Niacin)
  • Vitamin C
  • Vitamin D
  • Omega 3 Fettsäuren
  • Coenzym Q10
  • Magnesium
  • Zink
  • Und natürlich Selen

Das heißt, eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung ist unerlässlich. Bzw. bietet es sich an, mittels einer Mikronährstoffanalyse bei Ihrem Arzt oder im Labor eventuelle Mängel auszuschließen und gegebenenfalls mit Nahrungsergänzungsmitteln aufzufüllen.

 

Schlussworte …

 

Auch wenn das Thema Jod ein sehr ausgiebiges und auch recht komplexes ist, ist es mir ein großes Anliegen, Ihnen dieses so wichtige Thema näher zu bringen. Ich weiß aus vielen Gesprächen mit Schilddrüsenerkrankten, dass ich nicht die einzige bin, deren Jodstatus jahrelang nicht überprüft wurde – und das trotz vorhandener Schilddrüsenproblematik. Es gibt sehr wenige Ärzte, die sich mit Jod befassen, aber die Suche nach solch einem Arzt lohnt sich.

Auch der nächste Artikel wird sich noch mit dem Thema Jod beschäftigen – und zwar mit der Wirkung von Jod auf die Brustgesundheit, als auch auf die Geschlechtsorgane wie Eierstöcke und Prostata. Danach ist dann aber Schluss mit dem Jod und wir widmen uns wieder meiner wahren Leidenschaft – dem SCHLAF 😉

 

Empfehlenswerte Bücher zum Thema Jod

 

 

WICHTIG: Die dargestellten Informationen sind ausschließlich für den Informationsgebrauch bestimmt. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und können einen ärztlichen Rat nicht ersetzen. Ferner sind die dargestellten Informationen nicht dazu geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Ebenso wenig dürfen sie als Aufforderung zu einer bestimmten Behandlung oder Nicht-Behandlung einer möglichen Krankheit verstanden werden.

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